Meinung : „Ich strebe danach, …

Moritz Kleine-Brockhoff

… der Ministerpräsident aller Singapurer zu sein.“

Dunkler Anzug, helle Krawatte, der linke Arm liegt militärisch fest an der Seite des Körpers, die rechte Hand schwebt ruhig in der Höhe – so stand Lee Hsien Loong vor dem weißen Gouverneurspalast aus britischer Kolonialzeit. Nach dem Amtseid, beim Händeschütteln, löst sich die Spannung. Lee strahlt. Er hat lange gewartet.

Natürlich hat ihn sein Vater auserwählt, Singapurs Staatsgründer Lee Kuan Yew. Der 80-Jährige hat seit 1959 die Fäden in der Hand und ist nach wie vor unumstrittener Chef im Stadtstaat am Äquator. Lee senior machte aus einem Entwicklungsländchen in Südostasien eine Wirtschaftsmacht. Jetzt hat Lee Kuan Yew, undemokratisch wie eh und je, seinem ältesten Sohn Hsien Loong die Regierungsführung anvertraut. Fast jedenfalls. Lee senior schaffte sich flugs einen Kabinettsposten, als „Mentorminister“ wird er dem Sohn auf die Finger schauen.

Nach 52 Lebensjahren dürfte Lee Hsien Loong sich erwachsen fühlen. Besser vorbereitet als er ist wohl selten ein Ministerpräsident angetreten. Sicher, Lee senior hat Ausbildung und politische Karriere seines Sohns unterstützt. Aber beim Pauken in Cambridge, Mathematik und Computerwissenschaften, kann kein Papa helfen – Lee junior schloss mit Auszeichnungen ab. Später, beim Besuch der Kennedy School of Government an der Harvard Universität, wird der Name Lee wohl auch nicht geholfen haben, da sind immer viele prominente Söhne und Töchter. Auch beim Militär wird man durch Verstecken selten 32-jährig General. Lee junior sitzt seit 19 Jahren im Kabinett, seit 1990 auch als stellvertretender Ministerpräsident, zuletzt war er Finanzminister und Chef der Zentralbank. Kein Vater kann beim Kampf gegen Krebs helfen, Lee Hsien Loong hat die Krankheit besiegt. Außerdem musste er den Tod seiner ersten Frau verkraften.

„Mein Sohn hat sich alles erarbeitet, er ist Ministerpräsident, weil er mehr Ambitionen hatte als die anderen seiner Generation“, sagt Lee Kuan Yew, der nichts von Vetternwirtschaft hören will. Doch viel war und ist Familiensache in Singapur: Ministerpräsident Lee bleibt Finanzminister, seine Ehefrau leitet weiterhin das 50-Milliarden-US-Dollar-Portfolio von Singapurs Geldvermehrungsmaschine Temasek Holdings. Dazu gehören Beteiligungen an Singapur Airlines und Singapur Telekommunications. Sing Tel wiederum wird von einem anderen Sohn des alten Lee geführt.

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