Meinung : „Ich suche keine Schweißperle auf der Stirn“

Joachim Huber

Er ist der Choreograph, der Dirigent, der Dramatiker. Volker Weicker führt Regie beim TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Herausforderin der Union, Angela Merkel, an diesem Sonntag in Berlin. Mit 20 Millionen Zuschauern wird bei der Live-Übertragung von ARD, RTL, Sat1 und ZDF gerechnet. Das Duell Schröder vs. Merkel ist deren einziges Aufeinandertreffen im laufenden Wahlkampf. „Daraus kommen die Erwartungen und auch die Spannung“, sagt Weicker, „weniger aus den Inhalten.“

Der Regisseur muss im neu gebauten Duell-Studio zehn Kameras dirigieren, die außer den beiden Kandidaten noch die vier Moderatoren filmen. Weicker wird, anders als bei der Fußball-WM oder dem „Großen Haustiertest“ bei RTL, „kein Entertainment-Programm“ fahren: „Ich arbeite als Dokumentator des Frage-und-Antwort-Spiels, nicht als Inszenator.“ Keiner der Kandidaten soll bloßgestellt werden, Close-ups auf zitternde Hände oder verrutschte Lidstriche werde es nicht geben. Das Duell sei keine Talkshow, wo Detailaufnahmen das Innere der Gäste sichtbar machen. Schröder und Merkel machen die Show, „beider Tagesform wird über die Qualität der Sendung, über die Emotionen und ihre Wirkungen beim Publikum entscheiden.“

Dass die Wahl der Sender auf ihn fiel, überrascht Weicker nicht. Der freiberuflich arbeitende Darmstädter ist Deutschlands renommiertester Regisseur für Live-Fernsehen. Er hat die beiden Fernsehduelle Schröder gegen Stoiber 2002 ins Bild gesetzt, er hat eine Professur für Live-Regie an der Kunsthochschule für Medien in Köln, kein Fernsehpreis, den der 48-Jährige nicht schon abgeholt hat.

Volker Weicker ist cool, das signalisiert schon sein typisches Outfit mit Drei-Tage-Bart, Jeans und Polohemd. Ein Mann ohne Nerven: Beim TV-Duell 2002 plauderte er noch Minuten vor der Live-Übertragung mit Journalisten, da waren die Sender-Verantwortlichen vor Aufregung beinahe schon umgekippt. Weicker beruhigt, weil er Profi ist durch und durch, weil er weiß, was er kann. Nicht ohne Koketterie erzählt er, dass er noch nie irgendwo anrufen musste, um einen Job zu bekommen. Einer wie er wird angerufen.

Was wird das erste Duell-Bild sein? Da schwankt er noch zwischen einer Studio-Totalen und einem Kamerablick auf beide Kandidaten. Allein das Schlussbild steht: „Shakehands zwischen Schröder und Merkel“.

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