Meinung : „Ich tat vieles, was ich nicht hätte tun sollen“

Matthias Thibaut

Nicht alle würden so weit gehen und den 39-jährigen als „Scharlatan“ bezeichnen, wie David Camerons Hauptgegner im Kampf um die Führung der britischen Konservativen. David Davis meinte damit wohl Camerons Redetalent. Denn während Davis mit einer energielosen Rede in Blackpool floppte, begeisterte Cameron mit einem wohleinstudierten 15-Minuten-Auftritt und machte sich im Handumdrehen vom mutigen Außenseiter zum Favoriten. Auch wenn man sich hinterher nicht mehr genau erinnern konnte, was er eigentlich sagte. „Er beeindruckte genau unsere Zielgruppe: Frauen zwischen 25 und 54“, sagte ein Parlamentarier.

Endlich haben die Tories einen Politiker, den sich Engländerinnen als Schwiegersohn vorstellen können, sein Kurswert steigt rapide. Schon stellen britische Journalisten die Frage, mit der sie alle Großen stellen wollen: Hat er als Student in Cambridge Haschisch geraucht. Cameron, der nichts dem Zufall überlässt, bereitet sich schon auf seine „ersten 100 Tage als Torychef“ vor. Umfragen zeigen, dass Cameron bei der kommenden Abstimmung unter den Parteimitgliedern haushoher Favorit ist.

Manche bezeichnen Cameron schon als „Tory Blair“. Wie der junge Blair, mit ähnlich weichen Gesichtszügen, sagt Cameron den Tories, was sie nicht gerne hören: Dass sie aus der Mode sind, dass sie mit ihrer Vergangenheit brechen und das moderne, multikulturelle Großbritannien akzeptieren müssen und es keinen Sinn hat, Blair zu kritisieren, wo er Gutes geleistet hat. Und die Tories mögen es.

Er habe zu wenig Erfahrung, sei erst vier Jahre Abgeordneter und erst fünf Monate Schattenminister, wirft man ihm vor. Doch würde er in vier Jahren zum Premier gewählt, wäre er 43 – nur ein Jahr jünger als Blair bei Amtsantritt. Er wäre fast genau so lang Oppositionsführer und hätte anders als Blair Jahre als Hilfskraft der letzten Tory-Regierung hinter sich. Und anders als Blair arbeitete Cameron auch in der Wirtschaft – drei Jahre beim Medienkonzern Carlton.

Schwerer wiegt, dass der Sohn eines Börsenmaklers Eton besucht hat – das riecht nach weltfremden Privilegien und Upperclass. Aber Cameron weist das einfach mit seinen offenen Hemdkragen zurück. Und jeder weiß, dass die Camerons ein schwer behindertes Kind haben. Auch deshalb muss er mit beiden Beinen in der sozialen Wirklichkeit stehen.

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