Meinung : „Ich traue mir zu, Roland Koch zu schlagen!“

Christoph Schmidt Lunau

Sie hat viele Männer in der Partei hinter sich gelassen, die sich selbst für qualifizierter halten. Und jetzt will die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti, 49, auch noch Ministerpräsident Roland Koch um sein Amt bringen, der in Hessen mit absoluter CDU-Mehrheit regiert. Während ihr viele in den eigenen Reihen das nicht zutrauen, warnen CDU-Strategen davor, die Bewerberin zu unterschätzen.

Ihr Herz schlägt links. Als Kritikerin von Gerhard Schröders Agenda 2010 machte sie erstmals bundesweit Schlagzeilen. Unermüdlich fordert Ypsilanti die Wiederbelebung der Vermögenssteuer. Als „enttäuschend“ kritisiert sie die Gesundheitsreform der schwarz-roten Bundesregierung; da würden nur kurzfristig Finanzlöcher gestopft, stattdessen wirbt sie für eine „solidarische Bürgerversicherung“. Als Ministerpräsidentin will sie die von der CDU eingeführten Studiengebühren umgehend abschaffen. „Studiengebühren schrecken Arbeiterkinder vom Studium ab“, sagt sie und verweist auf ihre Herkunft: Ihr Vater war Arbeiter bei Opel; bevor sie die Chance auf ein Studium erhielt, war sie als Sekretärin und als Stewardess berufstätig.

Andrea Ypsilanti lebt mit Mann, Sohn und Freunden in einer Wohngemeinschaft in Frankfurt-Niedererlenbach. Sie wirkt unverkrampft, freundlich und sympathisch. Anders als Ministerpräsident Koch brilliert sie nicht in ihren Reden, sondern gewinnt durch ihr Auftreten. Mit ihr würde die SPD einen Gegenentwurf zum amtierenden Ministerpräsidenten aufbieten, der als Juristen- und Politikersohn in die Fußstapfen des Vaters trat.

Die einst erfolgsverwöhnten, inzwischen indes mit Wahlniederlagen vertrauten hessischen Sozialdemokraten sind zerstritten – in „Netzwerker“ und „Linke“. Nach der desaströs verlorenen Landtagswahl 2003 hatten die einflussreichen SPD-Bezirksfürsten der sympathischen Vorzeigefrau den scheinbar minder bedeutenden Landesvorsitz überlassen. Zuletzt, bei der Wiederwahl, erhielt Ypsilanti weniger als 70 Prozent der Stimmen.

Als Koch-Herausforderin hatte sie keiner auf dem Plan. Doch kaum hatte der von vielen favorisierte Wunschkandidat – der ehemalige Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke – verzichtet, meldete die Landesvorsitzende ihre eigenen Ambitionen an. Und jetzt könnte sie sogar noch das wichtige Amt des Chefs der Landtagsfraktion von ihrem „Netzwerk“-Rivalen Jürgen Walter dazugewinnen.

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