Meinung : „Ich übernehme die volle Verantwortung“

Matthias Thibaut

Sie hat das volle Vertrauen des Premiers. Bis Donnerstag. Dann muss Ruth Kelly die Sache mit den pädophilen Lehrern im Griff haben. Wenn nicht, endet eine weitere ministerielle Schnellkarriere mit einem Rücktritt. Und Blairs Bildungsreform, Herzstück seiner letzten Amtsjahre, erleidet einen so schweren Rückschlag, dass die Zeitungen schreiben werden: Am besten geht er gleich mit.

Kelly muss dem Unterhaus über den Skandal berichten, der Medien, Eltern und das ganze Schulwesen beschäftigt. „Hoffentlich hat sie gute Antworten“, schimpft Parlamentskollege Ian Gibson. Er will wissen, warum Paul Reeve in seinem Wahlkreis Turnunterricht gibt, obwohl er ein gerichtsbekannter „Sextäter“ ist. Die Einstellungsreferenz kam vom Ministerium.

Kelly hält vermutlich den Fruchtbarkeitsrekord für Abgeordnete. 11 Tage, nachdem die ehemalige Journalistin 1997 ins Unterhaus einzog, bekam sie ihr erstes Kind. Das Jahr über Politik, Kinderkriegen in den Sommerferien – so schaffte die 38-Jährige (bisher) vier Kinder und, über einen Staatssekretärsposten im Finanzministerium, den Sprung ins Kabinett. „Ich liebe meine Kinder. Anregung kriege ich bei der Arbeit“, lautet ihr Motto. Wenn von einem Generationswechsel bei Labour die Rede war,weil manchen der als Nachfolger Blairs vorgesehene Gordon Brown zu alt ist, wurde immer wieder Ruth Kellys Name ins Spiel gebracht.

Aber als Kelly aus dem grauen Technokratendasein im Schatzamt als Bildungsreformerin ins Rampenlicht rückte, wurde alles schwieriger. Man grub Äußerungen aus, in denen sich die nordirische Katholikin gegen Sexualerziehung in der Schule wandte. Dann fragte man, wie sich ihre rigorose Ablehnung der Stammzellforschung wohl auf den Forschungsetat auswirken würde. Man diskutierte über ihre Mitgliedschaft in der katholischen Kampforganisation Opus Dei, die ihr „spirituelle Stärke“ gibt. Würde der Vatikan die britische Bildungspolitik machen?

Sie könne Glauben und Beruf gut auseinander halten, sagte Kelly. So wie sie Beruf und Familie auseinander hält, indem sie pünktlich um 18 Uhr 30 den Schreibtisch verlässt. Nun ist es schief gegangen. Am Wochenende musste sie zugeben, dass vielleicht Dutzende potenzieller Kinderschänder in englischen Schulen arbeiten. Seit ein Schulhausmeister trotz einschlägiger Vorstrafen eingestellt wurde und 2002 in Soham zwei zehnjährige Mädchen ermordete, lassen die Briten da nicht mehr mit sich spaßen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben