Meinung : „Ich vertrete ein Land, keine Partei“

Kilian Kirchgeßner

So viel Glanz gab es selten in einem Prager Kabinett: Karl Fürst zu Schwarzenberg wird heute zum tschechischen Außenminister ernannt. Der Multimillionär aus höchstem böhmischem Adel ist die schillerndste Figur in der Regierungsmannschaft des konservativen Premierministers Mirek Topolánek. Wegen seiner Herkunft ist der 69-Jährige in Prag allerdings heftig umstritten. Der neue Außenminister ist nämlich nicht nur tschechischer, sondern auch schweizerischer Staatsbürger. Die Interessen seines Landes könne er deswegen nicht konsequent vertreten, werfen ihm seine Kritiker vor. Hinzu kommt, dass er als Familienoberhaupt der Schwarzenbergs über Schlösser und Ländereien in Deutschland und Österreich verfügt.

Er selbst bezeichnet sich gerne als Mitteleuropäer. Die ersten zehn Jahre seines Lebens hat er in der damaligen Tschechoslowakei verbracht, nach der Besetzung des Landes emigrierte seine Familie. Diese Erfahrung hat den jungen Fürsten tief geprägt, er gilt als vehementer Verfechter von Bürgerrechten. Während der kommunistischen Herrschaft unterstützte Schwarzenberg aus dem Exil die tschechischen Dissidenten. Gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrte er nach Prag zurück und arbeitete als Büroleiter des ersten demokratischen Präsidenten Václav Havel. Eigene politische Ambitionen hatte er allerdings schon damals: So war er Mitbegründer der politisch-intellektuellen Wochenzeitung „Respekt“, die er bis heute herausgibt. 2004 wurde Schwarzenberg als Senator ins tschechische Parlament gewählt – dem einflussreichen Adligen, der viel im Scheinwerferlicht steht, half dabei seine persönliche Popularität.

Einer Partei gehört Schwarzenberg bis heute nicht an. Ins Außenministerium haben ihn die Grünen gehievt, die als Juniorpartner in der bürgerlichen Dreier-Koalition diesen Posten besetzen können. Der prominenteste Kritiker Schwarzenbergs ist ausgerechnet der tschechische Staatspräsident Václav Klaus, der weder auf die Grünen noch auf seinen Amtsvorgänger Václav Havel gut zu sprechen ist und seine Abneigung auf den neuen Außenminister überträgt.

Der Fürst indes bemüht sich um ein möglichst bürgernahes Image. Er, der das Deutsche als zweite Muttersprache hat, nennt sich seit seiner Rückkehr nach Tschechien schlicht Karel Schwarzenberg. Den Adelstitel und die übrigen acht Vornamen lässt er bei seinen politischen Auftritten lieber beiseite.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben