Meinung : „Ich wäre gern ein Politiker …

Caroline Fetscher

… wie Olof Palme.“

Stipe Mesic ist ein jovialer, älterer Herr. Er geht gern unter Leute, hört zu, scherzt, erzählt. Und er nimmt auch, wenn es um eine gerechte Sache geht, persönliche Risiken auf sich. 66 Prozent der Wähler in Kroatien schätzen ihren Präsidenten so sehr, dass sie ihm jetzt  eine zweite Amtszeit bescherten. Diesem Mesic, der so anders ist, als die regierenden Nationalisten der HDZ-Partei. Von dem sie wissen, dass er die nicht leiden kann. Der auch jeden wissen lässt, warum er vor dem Haager Tribunal als Zeuge ausgesagt hat.

Eben diesen Mann wählten die Kroaten zum Präsidenten. Bezeichnend für ihn mag sein, was er im Januar vor fünf Jahren beim Interview mit einer belgischen Zeitung sagte: „Ich wäre gerne ein Politiker wie Olof Palme. Ohne Pomp, ohne Kitsch, einfach nur ein Demokrat.“ Für den verstorbenen Franjo Tudjman, der während des Zerfalls von Jugoslawien als  „kroatischer“ Gegenspieler  des „serbischen“ Milosevic Bosnien überfiel, hatte Mesic, selbst ein ausgefuchster Berufspolitiker, nie etwas übrig. „Die ganze HDZ bestand aus Personen, denen es allein um ihren materiellen Vorteil ging. Alle Entscheidungen traf Tudjman, er verstand nichts von Demokratie oder Gewaltenteilung. Er hat Kroatiens Wirtschaft zerstört und das Geld landete auf Konten in den Kaiman Inseln.“ Stjepan „Stipe“ Mesic will Kroatien wieder wohlhabend machen, er will Westintegration von EU bis Nato, und das Ende übler, nationaler Mythen.

Am Abend vor Weihnachten 1934 kam Mesic in der kroatischen Ortschaft Orahovica zur Welt. Aus dem Schüler Stipe wurde ein Jurastudent in Zagreb, eine Art Dutschke Kroatiens, 1971 als Mitglied der kroatischen Frühlingsbewegung inhaftiert. Ein Jahr lang saß der junge Mann im berüchtigten Stara-Gradiska-Gefängnis. Er kam frei, wurde 1990 Sekretär der HDZ, Premier der ersten kroatischen Republik Prime, und im Rotationsverfahren Präsident Jugoslawiens. Tudjmans nationalistische HDZ-Partei, aus der Stipe Mesic 1994 austrat, existiert dem Namen nach immer noch. In den Präsidentschaftswahlen sah die Partei gegen Mesic, der als Parteiloser antrat, und auf sein Charisma setzen konnte, keinen Stich.

Ein großes Problem bleibt: Die Verhaftung des vom Haager Tribunal wegen Kriegsverbrechen gesuchten Generals Ante Gotovina. Vielen in Kroatien gilt er als Held, dessen Versteck nicht zu verraten Ehrensache ist. Mesic sieht das anders. Er begrüßt das Tribunal als Ort und Hort der Gerechtigkeit. 

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