Meinung : „Ich wäre gern Minister“

Sebastian Bickerich

Man kann seine Berufung nach alter Berliner Art auch gleich abtun als ganz blöde Idee. Kostet doch nur Geld! Der Juso-Chef als Leiter von Klaus Wowereits neuer Abteilung „Politische Grundsatz- und Planungsangelegenheiten“? Die stecken doch eh unter einer Decke – und so weiter. Das waren denn auch die ersten Reaktionen einer ob dieser überraschenden Personalentscheidung ein wenig verdutzten Opposition im Abgeordnetenhaus.

Doch die Idee, dem 28-jährigen Nachwuchssozi einen Job als Politikmanager in der Senatskanzlei zu verschaffen, ist gewiss mehr als eine reine sozialdemokratische Gefälligkeitsgeste: Sie nützt beiden. Der Regierende Bürgermeister wird Chef eines im SPD-Bundesvorstand nicht einflusslosen Juso- Chefs, dessen Wohlwollen er gut gebrauchen kann. Dass für Wowereit der Horizont der Berliner Lokalpolitik allmählich zu überschaubar ist, hat er schließlich verschiedentlich unter Beweis gestellt.

Björn Böhning wiederum hat nicht nur einen Job – der Jusochef hatte eine Bundestagskandidatur 2005 unter Verweis auf sein damaliges Studium der Politikwissenschaft abgelehnt und demnach keine finanzielle Absicherung. Er kann mit Wowereit auch ein Tandem bilden, das sich Gedanken machen kann über die zukünftige Ausrichtung der gesamten SPD – mit dem Fernziel einer Arbeitsteilung in bundespolitischen Spitzenämtern.

Der leidenschaftliche Handballer Böhning weiß, dass er noch sehr viel werden kann in der SPD. Reden kann er gut, er ist vielseitig im Stoff – und er ist gut vernetzt. Zu seinen Unterstützern zählen schon jetzt all die ehemals Linken und Jungen in der Partei, die sich weder in einem sauertöpfischen Hardcore-Sozialisten wie Ottmar Schreiner wiederfinden noch in den blutleeren Karrieristen der sogenannten Netzwerker wie Südwest-Chefin Ute Voigt. Böhning, die Fast-Generalsekretärin Andrea Nahles, Saar-Chef Heiko Maas und Ex-Juso-Chef Niels Annen: Sie sehen sich eher als Volkstribunen, sie sind der Basis zugetan – und sie sind zunehmend bereit, nicht mehr nur für die reine Verteilungsgerichtigkeit, sondern auch für eine Partei der Leistungsträger zu stehen.

Wie man Regierungshandeln optimieren kann, hat Böhning überdies in seiner Diplomarbeit herausgestellt. Der großen Koalition riet er darin: „Man sollte Reformen in ruhigen, geordneten Prozessen und nicht in Nachtsitzungen beschließen.“ So viel zur Gesundheitsreform.

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