Meinung : „Ich war jung, aber ich habe mich geändert“

Michael Schmidt

Am Ende hatten die Peruaner nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera, gesund bleiben war keine Option mehr. Und so entschieden sie sich bei der Stichwahl ums Präsidentenamt am Sonntag für das vermeintlich kleinere Übel – und machten Alan García, mit einer Körpergröße von 1 Meter 90 die meisten seiner Landsleute deutlich überragend, erneut zu ihrem Staatschef. Die Wahl hat der 57-jährige Sozialdemokrat, der das Land schon einmal von 1985 bis 1990 regierte, für sich entschieden – Kopf und Herz der Peruaner aber wird er erst noch gewinnen müssen.

Das Votum der 16 Millionen Wahlberechtigten nämlich ist weniger ein Ja zu Person und Programm des Rechtsanwalts und Politologen als ein deutliches Nein zu seinem Kontrahenten, dem autoritären Ex-Militär Ollanta Humala, und für dessen mächtigen Fürsprecher, den venezolanischen Präsidenten. Das Projekt von Hugo Chávez, ein vereinigtes Südamerika unter seiner Führung und mit ihm ergebenen Staatsführern, darf nach der Entscheidung in Peru fürs Erste als gescheitert gelten. Von García, links hin, links her, ist vielmehr anzunehmen, dass er eher das von seinem Vorgänger unterzeichnete Freihandelsabkommen mit den USA ratifiziert als Chavéz bei seinem „anti-imperialistischen“ Kampf gegen US-Präsident Bush zur Seite zu stehen.

Nach seiner ersten Amtszeit stand Peru vorm Bankrott und García schien politisch erledigt zu sein. Das Land war zerrüttet vom Konflikt mit der maoistischen Guerilla „Leuchtender Pfad“; die Inflation lag bei 7000 Prozent. García selbst war in Bestechungsaffären verwickelt. Jetzt im Wahlkampf gab sich der glänzende Redner, ein Bewunderer Willy Brandts, geläutert. Der Vater von vier Kindern weiß, dass es keine zweite Chance gibt, einen guten ersten Eindruck zu machen. Umso nachdrücklicher beteuert er, aus seinen Fehlern gelernt zu haben. 1985 habe er, 36-jährig, als jüngster Präsident Südamerikas sein Amt angetreten. Mittlerweile sei er nicht nur älter, sondern politisch reifer geworden. Ein sanfter Reformer, der vieles anders und alles besser machen will.

Das wird er beweisen und seinen Wahlkampfworten Taten folgen lassen müssen: Regierungsausgaben drosseln, Wirtschaft ankurbeln, Unternehmen unterstützen, Inflation kontrollieren, Kriminalität bekämpfen.Man kann ihm nur viel Glück wünschen. Nicht um seinet-, aber doch um des geschundenen Landes und seiner Bewohner willen.

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