Meinung : „Ich war lang in der Männerwelt tätig“

Johannes Dieterich

Wahlposter hatten sie als „Ellen, unser Mann“ gepriesen. Der Präsident eines Nachbarstaates antwortet auf ihre Frage, ob er ein Problem mit einer Kollegin habe: „Ich betrachte Sie nicht als eine Frau.“ Und von sich selbst sagte die Anwärterin auf das höchste Amt Liberias: „Ich bin ein Präsident, der zufällig eine Frau ist.“ Ist es Ellen Johnson-Sirleaf, die nun tatsächlich zu Afrikas erster Staatschefin gewählt wurde, etwa peinlich, dem aus welchen Gründen auch immer als schwach bezeichneten Geschlecht anzugehören? Nicht wirklich. Die 67-Jährige will nach eigenen Worten „mütterlich Sensibilität und Gefühl in die Präsidentschaft bringen“. Dass sie in ihrer Heimat die „eiserne Lady“ genannt wird, bedeute nicht, dass sie genauso wenig wie die ehemalige britische Premierministerin für die Sache der Frauen zu tun gedenke, beteuerte die Bankerin im Interview: „Aber mein ganzes Leben lang war ich in rauen Bereichen der Männerwelt tätig: Das bleibt nicht ohne Spuren.“

Die Absolventin der US-Eliteuniversität Harvard und spätere Weltbankdirektorin wurde zweimal wegen ihrer Überzeugungen ins Gefängnis geworfen und musste wiederholt aus ihrer Heimat fliehen. Sie stand der US-Bankgruppe Citicorp als Vizepräsidentin vor, leitete die Afrika-Abteilung des UN-Entwicklungsprogramms und zog vier Kinder auf. Kurz: Johnson-Sirleaf hat ein Leben hinter sich – und nicht nur eine Wolke wie ihr Gegenkandidat bei der Wahl, der eitle Porschefahrer und Fußballstar George Weah.

Dass sich die sechsfache Großmutter überhaupt gegen den angehimmelten „König George“ durchsetzen konnte, überraschte alle: Schließlich gilt Afrika noch immer als Machismo-Kontinent, auf dem sich Kriegsfürsten und machtgeile Potentaten die Hände reichen und Frauen höchstens als Nahrungsmittelproduzenten ernst genommen werden. Am meisten überraschte es Weah selbst, der jetzt die Wahl anfechten will. Dessen Fans drohen schon in den Straßen von Monrovia, der Hauptstadt des von einem 14-jährigen Bürgerkrieg restlos zerstörten Staates: „No Weah, no peace!“

So wird sich die erste Präsidentin Afrikas gleich zu Beginn ihrer Amtszeit von ihrer eisernen Seite zeigen müssen. Dass sie ihren Anhängern allerdings bereits geraten hat, auf Siegesfeiern vorerst zu verzichten, um die Gegenseite nicht noch zu provozieren, zeugt von einem neuen Stil: Eine bessere Wahl hätten die Liberianer gar nicht treffen können.

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