Meinung : „Ich werde als Unabhängiger antreten“

Joseph n. Yackley

Es war eine böse Überraschung für Joseph Isadore Lieberman: Ausgerechnet gegen den relativ unbekannten Kriegsgegner Ned Lamont verlor der einstmalige Favorit und Ex-Vizepräsidentenkandidat der Demokraten die Vorwahlen um die Senatskandidatur in US-Bundesstaat Connecticut. Seine Niederlage gilt als Zeichen für die wachsende Antikriegsstimmung unter den demokratischen Wählern. Und sie könnte die Strategie beeinflussen, mit der die Demokraten in die Kongresswahlen im November und die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008 gehen.

Der in beiden politischen Lagern angesehene Senator hatte viele demokratische Wähler mit seiner Unterstützung des Irakkriegs aufgebracht. Sein Herausforderer Lamont nannte den 64-Jährigen gar einen Bush-Fan und forderte die Wähler auf, eine klare Botschaft gegen den Krieg auszusenden. Nach seiner Niederlage ist Lieberman erst der vierte amtierende Senator seit 1980, der eine Vorwahl verlor.

In seinen drei Amtszeiten hatte Lieberman sich schon oft den Ruf erworben, Positionen der Republikaner zu übernehmen – etwa in Fragen des Freihandels, bei der Debatte um die Wahlfreiheit an Schulen und bei der Minderheitenpolitik der affirmative action. Als Präsidentschaftskandidat Al Gore ihn vor sechs Jahren zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ernannte, war er der erste Jude, der von einer der großen Parteien für dieses Amt nominiert wurde. Damals galt seine Fähigkeit, auf den politischen Gegner zuzugehen, als Plus. In der heutigen, polarisierteren politischen Landschaft der USA wurde ihm das zur Bürde.

Seine Niederlage könnte auch Auswirkungen auf den Präsidentschaftswahlkampf haben. Hillary Clinton, die bisher einzige sichere Kandidatin der Demokraten, hatte wie Lieberman lange den Irakkurs der Bush-Administration unterstützt und wähnte sich bereits als sichere Siegerin bei den 2008 anstehenden Präsidentschaftsvorwahlen. Liebermans Niederlage hat nun die Risiken einer solchen Strategie aufgezeigt und Zweifel geschürt, ob Clinton damit innerparteilich überhaupt überleben kann.

Lieberman selbst sieht sich übrigens noch lange nicht im Abseits. Unmittelbar nach seiner Niederlage kündigte er an, in Connecticutnun als Unabhängiger anzutreten. Durchaus mit Chancen: Der republikanische Kandidat Alan Schlesinger gilt als so blass, dass viele Republikaner für Lieberman stimmen könnten – in der Hoffnung, dass ein moderater Demokrat besser ist als Ned Lamont.

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