Meinung : „Ich werde mich niemals entschuldigen“

Charles A. Landsmann

Keiner sitzt länger. Samir Kuntar, „Doyen der Häftlinge“, befindet sich seit 1979 in israelischer Haft – also schon über 27 Jahre. Verurteilt wegen vierfachen Mordes und Terrorismus zu insgesamt 542 Jahren Gefängnis. Und nun soll er wieder einmal freikommen. Mit deutscher Hilfe. Diesmal im Austausch zusammen mit anderen libanesischen Häftlingen und gefangenen Hisbollah-Kämpfern gegen die zwei verschleppten israelischen Soldaten, deren Entführung den soeben beendeten Krieg ausgelöst hatte.

Für die Israelis ist der 44-jährigen Kuntar der „Kindermörder“ schlechthin, für die Hisbollah aber ein „Freiheitskämpfer“. Er ist für eine der fürchterlichsten Bluttaten im israelisch-arabischen Konflikt verantwortlich – bereut nichts, ist gar „stolz darauf“. Am 22. April 1979 führte Kuntar ein vierköpfiges Terrorkommando der als besonders brutal bekannten „Palästinensischen Befreiungsfront“ PLF von Abu Abbas bei einem Überfall auf die nordisraelische Stadt Naharija an. Dabei erschoss er laut Augenzeugenberichten eine Geisel, Danny Hadar (28), vor den Augen seiner vierjährigen Tochter, und tötete dann das kleine Mädchen, indem er dessen Schädel mit dem Kolben seines Gewehres gegen einen Fels schmetterte. Bei Schusswechseln wurden zwei Polizisten und zwei Terroristen getötet.

Kuntar stand noch auf jeder Forderungsliste mit libanesischem Absender. Und immer sagte Israel Nein. Zuletzt stellte Anfang November 2003 Hisbollah-Chef Nasrallah die ultimative Forderung: „Der erste Name auf der Liste muss Samir Kuntar sein“, wenn er fehle, dann werde es keinen Austausch geben. Israel verlangte für Kuntar „harte Beweise“ über das Schicksal des seit 1986 im Libanon vermissten Fliegers Ron Arad, die es nie erhielt. Damals kamen zwar 400 libanesische und 36 andere arabische Häftlinge frei, im Austausch für einen entführten israelischen Ex-Oberst und drei Leichname von Soldaten, nicht aber Kuntar.

Diesmal verlangte Nasrallah zu Kriegsbeginn von Israel die Freilassung palästinensischer und libanesischer Häftlinge, ausdrücklich einschließlich Kuntars, für die zwei verschleppten Soldaten. Im Laufe des Krieges reduzierte er seine Forderung auf Libanesen. Wenn er nun gar nach Medienberichten nur noch von freizulassenden Hisbollah-Kämpfern spricht, dann verbleibt Kuntar, der Druse in palästinensischen Diensten, weiter hinter israelischen Gefängnisgittern.

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