Meinung : „Ich will dafür arbeiten, …

Julian Wyszynski-Trzywdar

… das Polarisierende abzubauen.“

Wenn Valdas Adamkus heute erneut in das repräsentative Palais am Daukantas-Platz in Vilnius einzieht, direkt gegenüber dem markanten Eingang zur hiesigen Universität, um zum zweiten Mal die Amtsgeschäfte des litauischen Staatspräsidenten zu übernehmen, wird er hinter den Kulissen vermutlich erst einmal tief durchatmen. Denn es liegen schwere Zeiten hinter ihm und seinem Land. Zwar steht der kleine baltische Staat inzwischen wirtschaftlich gesehen relativ gut da, der Beitritt zur Nato ist vollzogen, die Mitgliedschaft in der EU erfolgreich abgeschlossen, die Vorbereitungen für eine möglichst rasche Einführung des Euro sind gegeben. Doch innenpolitisch hat Litauen schwere Zeiten hinter sich, Zeiten, in denen das Land in zwei verschiedene Lager zu zerfallen schien.

Im Januar 2003 verlor der parteilose Valdas Adamkus nach fünf Jahren erfolgreicher Amtszeit seine Wiederwahl, weil ein Teil seiner Anhänger glaubte, er habe sich seinen Ruhestand mit 76 Jahren redlich verdient. Sein Konkurrent, Rolandas Paksas, taktierte zudem geschickt und präsentierte sich – was ihm mit seinen 46 Jahren nicht schwer fiel – als Kandidat des Generationswechsels.

Doch der scheinbar so gelungene Wechsel an der Spitze des Staates vom konservativen Grandseigneur zum Geschäftsmann und gelernten Kunstflieger Paksas, wurde zu einer schwierige Prüfung für die unerfahrene Demokratie: Paksas hatte die Höhe seiner Wahlkampfmittel falsch deklariert und verstieß während seiner kurzen Amtszeit gleich mehrfach gegen die Verfassung des Landes. Nach der ruhigen und grundsoliden Regierung von Adamkus zwischen 1998 und 2003 fanden sich die Litauer unter seinem Nachfolger mit einem Mal wieder in einem Hexenkessel von Verdächtigungen, Korruption und dem Verrat von Staatsgeheimnissen. Valdas Adamkus der emeritierte Präsident, erwies sich in dieser Phase zwar als ruhender Pol, doch seine Wiederwahl am 27. Juni war keine Selbstverständlichkeit. Die Polarisierung zwischen Stadt- und Landbevölkerung, zwischen Intellektuellen und Bauern, zwischen den Sympathisanten der Erneuerung und der Vergangenheit erreichte einen nie gekannten Höhepunkt. Das zurückhaltende Temperament des 1926 in Kaunas geborenen Valdas Adamkus, der nach der Emigration in jungen Jahren schließlich den größten Teil seines Lebens in den USA verbracht hat – und auch US-Staatsbürger wurde – , machte es ihm erstaunlich schwer, nach der Niederlage im Januar 2003, die Wahl noch einmal zu gewinnen. In der Stichwahl setzte er sich schließlich gegen die frühere Ministerpräsidentin Kazimira Prunskiene durch.

Inzwischen versucht er wieder einmal seine Landsleute zu einigen: durch deutliche Zeichen der Bescheidenheit zur heutigen Zeremonie und mit der Wahl eines neuen, nach größter fachlicher Kompetenz ausgerichteten Mitarbeiterstabes, von denen einige aus der benachbarten Universität nun zu ihm herüberkommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar