Meinung : „Ich will die Welt nach Schweden bringen“

Sven Lemkemeyer

Seine Ernennung hat viele überrascht und wird doch von den meisten begrüßt – in Schweden wie im Ausland. Jan Eliasson nimmt heute sein Amt als neuer Außenminister in Stockholm auf, und der 65-jährige Sozialdemokrat gilt selbst im oppositionellen konservativen Lager als „sichere Karte“. Ein Blick auf Eliassons Karriere zeigt warum. Er arbeitete bereits als Staatssekretär im Außenministerium und war Botschafter seines Landes in den USA. In den 80ern vermittelte er für die UN im Krieg zwischen Iran und Irak. Und für die UN arbeitet er immer noch: als Präsident der Vollversammlung der Vereinten Nationen – ein Grund, warum ihn manche nicht auf der Rechnung hatten.

Dass er seinen Job bei den UN bis zum Ende seiner Amtszeit am 11. September weiterführen will, ist das Einzige, was die Opposition wirklich kritisch anmerkte. Denn ansonsten gilt es als unbestritten, dass Schweden kaum einen fachkundigeren Politiker mit einem so ausgeprägten internationalen Netzwerk aufbieten konnte. So erhofft man sich in Stockholm, dass Eliasson seinem Land auf der internationalen Bühne wieder mehr Profil verleiht. Eliasson kündigte denn auch eine „aktivere schwedische Außenpolitik“ vor allem mit Blick auf die Vermittlung bei internationalen Konflikten an. Zudem wird Eliasson versuchen, Schweden innerhalb der EU wieder mehr Gewicht zu verleihen. Denn inzwischen hat sich in Stockholm die Einsicht durchgesetzt, dass die Stimme des Landes am besten gehört wird, wenn es sich gemeinsam mit Gleichgesinnten äußert.

Wie lange Eliasson sein Land repräsentieren wird, entscheiden nicht zuletzt die Bürger. Am 17. September wählen sie den Reichstag neu, und im Moment liegt die Opposition bei Umfragen deutlich vorn. Für Eliasson könnte sich dann – so wird spekuliert – ein neuer Job bei den UN ergeben: als Nachfolger von Generalsekretär Kofi Annan, dessen Amtszeit Ende des Jahres ausläuft. Noch gibt es keinen sicheren Kandidaten für die Nachfolge. Immer wieder heißt es, Asien sei an der Reihe oder die Zeit sei reif für eine Frau an der UN-Spitze. Doch die USA haben bereits deutlich gemacht, dass sie sich nicht an Vorgaben gebunden fühlen. Und in den USA schwärmt man in den höchsten Tönen von Eliasson: Er sei, so werden namhafte US-Politiker in einem demnächst erscheinenden Buch über ihn zitiert, nicht nur ein „diplomatischer Stern“, sondern „einer der weltweit bemerkenswertesten Superdiplomaten“.

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