Meinung : „Ich will mit Serbien …

Caroline Fetscher

… offene Fragen verhandeln.“

Er nimmt den Platz eines Mannes ein, der vor 14 Tagen ins Gefängnis ausgeflogen wurde. Bajram Kosumi folgt als Premierminister des Kosovo dem vom Tribunal in Den Haag geholten Ramush Haradinaj. Vor der Kamera wirkt der integre Mann, der stets in der zweiten Reihe stand, noch etwas nervös. Doch sein Verhandlungsgeschick auf politischem Parkett hat er seit mehr als einem Jahrzehnt geübt.

Schon als es vor fünf Jahren in Rambouillet um Kosovo ging, war Kosumi Mitglied der Delegation. Seine Karriere begann der 1962 Geborene als politisch aktiver Student. 1982 griff die serbische Polizei den Literaturwissenschaftler mit dem verträumten Blick bei einer Demonstration auf und warf ihn für acht Jahre ins Gefängnis. Wieder in Freiheit, begann Kosumi über Politik wie Lyrik zu publizieren, heiratete und wurde Vater von vier Kindern. An der Seite der UCK nahm er an Kämpfen gegen die serbischen Milizen teil. Unter der Regierung Haradinaj avancierte Kosumi, der Albanisch, Serbisch und Englisch spricht und Vize-Chef der Haradinaj-Partei war, zum Minister für Umwelt und Raumplanung. Zu den Mafiosi unter den Politikern zählt Kosumi ganz gewiss nicht.

Ebensowenig geriet er je unter die nationalistischen Hitzköpfe, auch seine Vergangenheit scheint makellos. Dennoch gehen die Meinungen über ihn im Kosovo auseinander. Manche schätzen ihn wegen seiner Aufrichtigkeit und Empfindsamkeit. Andere sehnen sich nach einem hemdsärmligeren Premierminister.

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