Meinung : „Ich wollte gar nicht die Erste sein“

Sarah Kramer

Abheben und die Erde hinter sich lassen, Freiheit grenzenlos – davon träumte Ulrike Flender schon als kleines Mädchen. Ursprünglich wollte die Stuttgarterin Astronautin werden. Am Ende hat sie den Job in der Schwerelosigkeit aber dann doch anderen überlassen. Der Traum vom Fliegen aber ließ die Schwäbin nicht los. So stieg sie eines Tages als Praktikantin ins Cockpit eines Tornado-Kampfjets der deutschen Luftwaffe – es war Liebe auf den ersten Blick.

Ab Februar 2007 wird die mittlerweile 24-Jährige nun selbst den Steuerknüppel eines Tornados in die Hand nehmen – und nach zweijähriger Flugausbildung in den USA als erste deutsche Kampfjetpilotin in die Heimat zurückkehren. Es war ein steiniger Weg: Wer Pilot werden will, muss nicht nur in ausgesprochen guter körperlicher und geistiger Verfassung sein. Die Ausbildung für die Offiziersausbildung des fliegerischen Dienstes verlangt den Schülern einiges ab und setzt die Eleven mächtig unter Druck. Wird eine Flugprüfung zweimal nicht bestanden, bedeutet dies das Aus für den Traum vom Jet-Fliegen.

Doch Ulrike Flender meisterte auch schwierige Aufgaben wie Überlebenstraining in der Wildnis, Formationsflüge oder Übungseinheiten in der Humanzentrifuge und der Unterdruckkammer mit Bravour. Jetzt durfte die Offiziersanwärterin an der Sheppard Air Force Base im Bundesstaat Texas den Militärluftfahrzeug-Führerschein entgegennehmen. Dass sie das als erste deutsche Frau geschafft hat, ist Flender fast ein wenig unangenehm. „Ich wollte gar nicht die Erste sein“, bleibt die Offiziersanwärterin bescheiden. „Ich wollte immer einfach nur fliegen.“

Dass die Angelegenheit sich mitunter doch etwas schwieriger gestaltet als gedacht, erlebte Flender bei ihrem ersten Übungsflug in einer Propellermaschine am eigenen Leib. „Ich habe kurz nach dem Start gar nicht mehr richtig realisiert, was überhaupt passiert. Entspannen konnte ich mich erst, als wir schon ziemlich hoch in der Luft waren“, erinnert sich die frisch gebackene Kampfjetpilotin. Für ihren ersten Flug ohne Trainerbegleitung findet Flender noch weniger Worte: „Es war irgendwie unheimlich.“

Ähnlich ging es Flenders Mutter, die sich im fernen Deutschland ob des nicht ganz ungefährlichen Arbeitsplatzes der ältesten Tochter im Jetcockpit Sorgen machte. „Inzwischen ist sie aber sehr stolz“, sagt die Pilotin. Auch für die Bundesrepublik, die Frauen erst seit gut fünfeinhalb Jahren eine berufliche Tätigkeit bei den Streitkräften erlaubt, scheint der erste militärische Pilotenführerschein einer Frau nicht ohne Bedeutung zu sein: Nicht die Luftwaffe meldete als erstes Vollzug, sondern das Presseamt der Bundesregierung.

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