Meinung : „Ich wollte Schaden …

Friedhard Teuffel

… von Borussia Dortmund abwenden.“

Der Aufstieg von Gerd Niebaum zu einem angesehen Fußballfunktionär gipfelte im Gewinn des Europapokals 1997. Seinen Abstieg beschleunigen nun zwei Seiten Papier. Niebaum, 55 Jahre alt, Rechtsanwalt aus Dortmund, steht zurzeit im Mittelpunkt einer großen Krisengeschichte. Der BV Borussia Dortmund, dessen Geschäfte Niebaum führt, hat sich jahrelang Mannschaften zusammengekauft, die sich nur die reichsten Klubs Europas leisten könnten. Und dabei Schulden angehäuft, wie es sie in der Bundesliga noch nicht gegeben hat: 119 Millionen Euro.

Dass es dem Verein unter Niebaums Führung wieder besser gehen wird, daran hat auch Florian Homm nicht mehr geglaubt. Der Finanzspekulant hat sich deshalb von Niebaum schriftlich zusichern lassen, dass er 2006 als Geschäftsführer aufhört. Im Gegenzug hat Homm die Kapitalerhöhung der Dortmunder in Höhe von 24 Millionen Euro mitfinanziert. Der BVB, der einzige deutsche Fußballklub, der an der Börse notiert ist, hat sich in der vergangenen Woche mit dieser Kapitalerhöhung etwas Luft verschaffen können.

Wie groß der vereinsinterne Widerstand gegen Niebaum inzwischen ist, zeigt sich an der Vielzahl von Indiskretionen gegen ihn. So geriet auch die zweiseitige Vereinbarung zwischen Homm und Niebaum in Umlauf. Doch Niebaum, der nicht nur Geschäftsführer der Borussia Dortmund KGaA ist, sondern auch Vereinspräsident, wollte davon nichts wissen. Erst als die „Süddeutsche Zeitung“ das Schreiben abdruckte, räumte Niebaum einen „schweren Fehler“ ein. „Ich habe den Brief als ,Goodwill-Erklärung’ verstanden, um die Kapitalerhöhung nicht zu gefährden und Schaden von Borussia Dortmund abzuwenden.“

Seit 18 Jahren regiert Niebaum Borussia Dortmund. Als er die Führung übernahm, stand der Verein mit einem Bein in der Zweiten Liga und musste sich mit beiden Händen abstützen, um nicht in den wirtschaftlichen Abgrund zu fallen. Nur wenige Jahre später war der Klub Deutscher Meister. Es begannen goldene Jahre. Das war auch Niebaums Verdienst. Er hat selbst an diesem Aufstieg mitverdient, weil zum Beispiel seine Kanzlei Sponsoren der Borussia betreut. Doch Niebaum wollte mehr: Er brachte die Borussia im Oktober 2000 an die Börse. Damit hat sich Niebaum schließlich auch solche ungebetenen Gäste wie Homm ins Haus geholt. Für einen Alleinherrscher wie Niebaum ist jetzt kein Platz mehr.

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