Ifa : Fortschritt zählt nicht

Auf der Internationalen Funkausstellung werden etliche neue Geräte vorgestellt. Sie zeigen: Die Technik muss heutzutage menschlichen Bedürfnissen folgen und nicht der Mensch dem Fortschritt der Technik.

Mercedes Bunz

Die Ifa meldet Rekorderfolge, die Unterhaltungselektronik boomt. Aber was heißt eigentlich „Unterhaltungselektronik“: Technische Geräte „unterhalten“ uns nicht mehr nur in der Freizeit, sie begleiten uns vielmehr durch den Alltag. Das Handy beispielsweise ist heute die Haustür zur persönlichen Welt, über das kleine Gerät hält man Kontakt zur Familie, zu Freunden oder zur Firma. Und seit man mit den meisten Mobiltelefonen fotografieren kann, speichert man auf ihnen die Fotos seiner Liebsten, Urlaubsschnappschüsse, Musik oder sogar kleine Filme. Das Telefon wird personalisiert, wird zum persönlichen Begleiter und erfüllt nicht mehr nur eine technische Funktion – dank der technischen Konvergenz.

Lange war „Konvergenz“, das Zusammenfügen von verschiedenen Anwendungen, nichts weiter als ein schillerndes Schlagwort der Branche. Erst in den letzten Jahren ist die technische Entwicklung wirklich in der Lage, verschiedene Funktionen für den Massenmarkt erschwinglich zu vereinen.

Einer der Schwerpunkte der Ifa ist deshalb in diesem Jahr die Medienkonvergenz, die Bastardisierung der Medien, wie der Medientheoretiker Marshall McLuhan es nannte. Und diese Medienbastarde sind im Interesse der Industrie. Sie suggerieren technische Entwicklung. Technische Entwicklung aber ist attraktiv, der technische Fortschritt lässt Geräte, die man nur wenige Jahre besitzt, schnell alt aussehen. Neuentwicklungen verleiten einen dazu, etwas Neues zu kaufen, obwohl das Alte noch funktioniert. Wir leben heute ja nicht mehr in der Wegwerfgesellschaft – Dinge, die wir nicht mehr brauchen, versteigern wir auf Ebay – wir leben in der Neukaufgesellschaft. Lange dachten die Hersteller deshalb, Konvergenz sei so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau. Das Interessante: Sie haben sich getäuscht.

Immer wieder sind Geräte, die zu viel zugleich konnten, gefloppt. Nokia erlitt beispielsweise 2003 mit einem vielversprechenden Hybrid aus Spielekonsole und Mobiltelefon wirtschaftlich Schiffbruch. Der Grund war ganz einfach: Nicht mal junge Leute wollten sich in der Öffentlichkeit eine unförmige Spielekonsole zum Telefonieren an den Kopf halten. Nur weil etwas technisch möglich ist, ist es nicht unbedingt auch sinnvoll, fand der Verbraucher und das zeigt: Es ist nicht mehr alleine der technische Fortschritt, der zählt. Das Gerät muss für den Verbraucher auch einen Sinn ergeben. Einen Sinn – und nicht alle möglichen. Tatsächlich zeigen die Verkaufszahlen, dass die Technik sich den Bedürfnissen der Verbraucher anpassen muss, um ein Erfolg zu werden. Unter den intelligenten Telefonen sind iPhone und Blackberry erfolgreich, weil sie auf eindeutige Bedürfnisse ausgerichtet sind. Das iPhone verspricht spielerische Unterhaltung mit Musik und Filmen, das Blackberry ist das Telefon für den Geschäftsmann.

Fehlt diese klare Ausrichtung, wird der technische Fortschritt eiskalt ignoriert. Geräte, die zu viel können und einem das Gefühl geben, sie seien klüger als man selbst, bleiben Ladenhüter. Was zeigt: Nicht die Technik, sondern das menschliche Bedürfnis steht heute im Mittelpunkt der technischen Entwicklung.

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