Ihre Meinung : Sollte der Staat Opel retten?

In Deutschland beginnen Politiker einen Wettlauf um ein Rettungspaket fürdie angeschlagene Autobranche. Doch die Entscheidung für staatliche Hilfen - wie für Opel geplant - wäre ein fataler Irrtum, meint Maren Peters. Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit!

Maren Peters

Es geht nicht nur um Opel. Und auch nicht nur um die kriselnde Autobranche. Nein, beim Rettungspaket, das Opel und jetzt auch Ford und vielleicht bald noch andere gerade fordern, geht es auch um darbende Milchbauern, um fluglahme Airlines und auch um schwächelnde Einzelhändler und Speicherchiphersteller. Um alle Branchen also, denen es gerade – aus ganz unterschiedlichen Gründen – nicht besonders gut geht. Sie alle bräuchten eigentlich dringend Unterstützung vom Staat. Nur für eine Übergangszeit natürlich, bis es ihnen wieder besser geht. Schließlich stehen Abertausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Oder etwa nicht?

In Deutschland haben Politiker gerade einen gefährlichen Wettlauf um das schnellste, das größte Rettungspaket für die Autobranche begonnen. Kanzlerin Merkel lädt die Opel-Chefs am heutigen Montag ins Kanzleramt ein, SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Steinmeier empfängt am Abend die Auto-Betriebsräte. Nachdem die Banken gerade mit knapp 500 Milliarden Euro aus der Staatskasse vor dem Schlimmsten bewahrt worden sind, prüft die Regierung nun offenbar ernsthaft Hilfen für die Autobauer. Auf ein paar Milliönchen mehr kommt es jetzt auch nicht mehr an. Aber das ist ein fataler Irrtum.

Denn der Staat, da hat Wirtschaftsminister Glos ganz recht, kann durch gut gemeinte Rettungspakete nicht die wegbrechende Nachfrage der Konsumenten ersetzen. Das gilt für Autoproduzenten genauso wie für Reiseverkäufer oder Einzelhändler. Darum sollten Politiker solche Rettungsaktionen sein lassen. Wenn der Staat Opel einen Finger reicht, werden viele andere Branchen an der Hand ziehen und ebenfalls Ansprüche anmelden. Da sich die Staatskasse (wie die Privatschatulle) aber leider nicht von allein wieder auffüllt, müsste das am Ende der Steuerzahler mit höheren Abgaben bezahlen. Und dafür das neue Auto und den Kühlschrank später oder gar nicht kaufen. Den Unternehmen wäre damit nicht geholfen.

Auch aus einem anderen Grund sind die von Opel erbetenen Staatshilfen in Höhe von einer Milliarde Euro vertrackt. Opel ist Tochter des US-Konzerns General Motors (GM), dem es seit Jahren miserabel geht. Wer will verhindern, dass deutsche Staatshilfen in den gierigen Schlund der kapitalbedürftigen Mutter fließen, die ihrerseits gerade in den USA um Milliardenkredite ringt, um überleben zu können?

Sinnvoller wäre es, die Familienbande zu kappen und die insgesamt profitable Tochter von der klammen Mutter zu trennen. Wenn es gelänge, Investoren zu finden, wäre beiden geholfen: GM könnte mit dem Erlös die Kasse etwas auffüllen und Opel die Zukunft allein in die Hand nehmen. Davon muss allerdings noch GM überzeugt werden.

Darauf sollten Politiker ihre Bemühungen konzentrieren, statt immer neue Rettungspakete zu schnüren.

Sollte der Staat Opel und anderen Unternehmen der Autobranche mit einem Hilfspaket zur Hilfe eilen? Was meinen Sie? Schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel!

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