Ilse Aigner : Hoffnungsträgerin der CSU

Mit 99,7 Prozent ist Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner als Chefin des mächtigen CSU-Bezirksverbandes Oberbayern bestätigt worden. Nur ein Delegierter stimmte gegen die 48-Jährige.

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Als Ilse Aigner sich vor zwei Jahren diesen Nebenjob angelte, wusste man schon, dass da noch mehr im Busch ist. Bezirkschefs gelten in der CSU seit jeher als Fürsten. Und wer Oberbayern hält, ist der Oberfürst. Die burschikose Verbraucherministerin, die in diesem Amt dem in Bayern benötigten Horst Seehofer nachgerückt war, sicherte sich den Parteiposten zuhause damals gegen den renommierten Finanzpolitiker Georg Fahrenschon – und signalisierte damit, dass sie es ebenfalls nicht bei ihrer bundespolitischen Karriere zu belassen gedenkt. Am Wochenende wurde die 48-Jährige in Germering für zwei weitere Jahre als Bezirkschefin bestätigt. Sie erhielt 99,7 Prozent.

Wirklich überrascht hat dieses Traumergebnis niemanden in der Partei. Denn auch wenn die Dirndlträgerin in Berlin wegen ihrer Unverbindlichkeit in Krisensituationen manchmal als „ungeaignert“ verspottet wurde: In Bayern gilt die immer zu einem Lächeln aufgelegte „Ilse“ als Sympathieträgerin. Und nachdem sich die gelernte Hubschrauberelektronikerin für die nächste Legislatur wieder ganz zurückgemeldet hat in die Landespolitik, dachten die Delegierten natürlich nicht daran, ihr den Neustart mit einem schlechten Ergebnis verhageln. Satte 20 Prozent hatte die CSU schließlich bei der Landtagswahl vor fünf Jahren in ihrem Bezirk verloren, vor allem die Frauen machten ihr Kreuzchen woanders. Da kommt die sympathische Bundesministerin gerade recht, um die Dinge wieder geradezurücken.

Aigner könnte von Herkunft und Lebenslauf her doppelt punkten. Bei den Landwirten, deren Interessen sie seit 2008 in Berlin vertritt. Und bei all denen, die von der traditionellen CSU nicht mehr oder nur noch mit Mühe erreicht werden. Zum Beleg, für welches Frauenbild sie steht, hat die Ministerin dieser Tage über die „Bunte“ verbreiten lassen, dass sie sich von ihrem Freund getrennt habe. Und dennoch glücklich sei. Im Übrigen müssten die Männer lernen, „dass es ganz normal ist, wenn ihre Partnerin eine Führungsposition bekleidet und mehr verdient“.

Das Interessante ist, dass solche Äußerungen selbst in der CSU inzwischen kein Karrierehindernis mehr darstellen, sondern das glatte Gegenteil. Bayerns berechnende Sozialministerin Christine Haderthauer jedenfalls hat mit dem Hinweis auf ihren vermeintlichen Bonus als Ehefrau und Mutter im parteiinternen Stellungskampf weiter an Sympathien eingebüßt. Das zeigte sich an ihrem für CSU-Verhältnisse sehr mageren Ergebnis in Germering: 80,7 Prozent. Und Aigners anderem Widersacher, dem durchtriebenen Finanzminister Markus Söder, hat CSU-Chef Horst Seehofer höchstselbst attestiert, dass er ihn für charakterlich ungeeignet hält ("vom Ehrgeiz zerfressen").

Als Nächstes ist nun damit zu rechnen, dass sich Aigner den Fraktionsvorsitz im Landtag schnappt. Damit hätte die Strahlefrau dann gleich zwei Königsmacher-Positionen. Niemand käme in der CSU mehr an ihr vorbei. Und die Oberbayerin könnte in aller Ruhe auch ihre zweite Seehofer-Nachfolge anvisieren: das Ministerpräsidentenamt 2018.

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