Meinung : Im Abstiegskampf

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Von Bernhard Felmberg

WO IST GOTT?

Die Bundesliga hat den 30. Spieltag der Saison (bis auf die zwei Sonntagspartien) hinter sich gebracht. Noch vier Wochenenden – dann ist diese Spielzeit vorüber. In den nächsten Wochen geht es um alles. An der Spitze der Tabelle entscheidet sich die Meisterschaft. Hier lässt es sich gut sein.

Im Tabellenkeller dagegen sieht es anders aus. Tristesse pur! Gut zehn Mannschaften stehen im unmittelbaren Abstiegskampf oder sind von diesem bedroht. Viele der jungen Männer, die Reporter und Fans noch zu Beginn der Saison hoffnungsfroh zu Fußballgöttern stilisiert hatten, erleben jetzt ihre eigene Götterdämmerung. Nichts will ihnen mehr gelingen, kein Pass, kein Schuss, kein Tor – selbst wenn die Spieler frei vor dem gegnerischen Kasten stehen.

„Wir stehen im Abstiegskampf“, heißt es auch bei Hertha BSC in Berlin – und daran hat auch der Sieg gegen Kaiserslautern nichts geändert. Die davor liegenden Spiele der Mannschaft haben überdeutlich gemacht, wie wenig Bewegungsfreiheit einer hat, der unten steht und raus möchte aus dem Tabellenkeller. Wo noch vor einem Jahr jeder gespielte Ball einen Mitspieler fand, eröffnet sich jetzt die Weite und Leere des Raumes.

„Wer so viel Geld verdient, muss das Tor machen“, schimpfen die Fans. Wie jeder Spitzensportler wird auch der Fußballprofi an seiner Leistung gemessen. Kein Wunder, dass der Druck auf die Spieler wächst. Kein Wunder aber auch, dass die Fehler zunehmen.

Nach jedem Schlag aufstehen

Wie aber kann dieser Druck abgebaut werden? Durch den, der einem die Gewissheit gibt, dass die eigene Persönlichkeit, dass das Mensch-Sein auch in der Situation der sportlichen Depression nicht zur Disposition steht. Es geschieht durch den, der uns den Druck von der Seele nimmt und den Kopf in den Situationen, die uns völlig in Besitz nehmen, frei macht. Gott entlastet. Er ist es, der mir im Abstiegskampf meines Lebens die Hoffnung gibt, dass ich wieder auferstehe, um das zu tun, wozu er mich berufen hat.

Aber wer um Himmels Willen tut dies im Fußballgeschäft? Der Raum für das Reden über Gott ist im Stadion nicht gefragt. Und doch schafft Gott sich seinen Platz auch an diesen Orten. Manchmal wird er unter Trickots versteckt – in Form von christlichen Anhängern. Diese Heilsbringer schauen mitunter kurz hervor, wenn ein gläubiger Spieler ein Tor schießt. Er demonstriert im tosenden Jubel, bei wem er sich für seine Fähigkeiten zu bedanken hat. In solchen Situationen hängt es vom persönlichen Bekenntnis der Spieler und ihrer Fans ab, ob Gott im Stadion auftaucht – und wo.

Die Andacht im Stadion

In Berlin wird sich das ändern. Das Olympiastadion bekommt eine Kapelle. Ein Hoffnungszeichen für unsere Stadt in ihren Abstiegskämpfen. Dieser Ort wird zur Andacht, zum Gebet, zum Gespräch über Gott und mit Gott einladen. Und die Menschen werden ihn vielleicht gerade hier suchen, in Verzweiflung und in Freude, zur Taufe und zur Trauung.

Wo ist Gott im Abstiegskampf? Gott hat auch dann seinen Platz bei den Menschen, bei den Fans und den Sportlern. Nicht nur bei denen, die jetzt mit Hertha BSC zittern. Sondern auch bei denen, die mit ihm ihre Freude über einen fair errungenen Sieg teilen.

Bernhard Felmberg ist Oberkonsistorialrat und Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.

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