Meinung : Im Kampf um Arbeitsplätze

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Von Reinhardt Schiller

WO IST GOTT?

Der Ruf nach Gott ist etwas ganz Besonderes. Etwas elementar Wichtiges. Und etwas ganz und gar Privates, Persönliches. Nur gedacht für die allergrößten Notlagen. Im täglichen Geschäft möchte ich mit diesem Pfund, das mir mein Glaube schenkt, nicht wuchern. Schließlich will ich mein Konto bei Gott ja auch nicht überziehen.

Manchmal gerät man jedoch in Versuchung, diesen christlichen Lebensmaximen untreu zu werden. Weil die Not so groß erscheint. Und weil ein Sprichwort das nahelegt. „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand." Haben womöglich die Angehörigen der Opfer der ICEKatastrophe von Eschede Gott um Hilfe angerufen, als sie hörten, dass der Strafprozess eingestellt wird?

Unsere Christliche Gewerkschaft hofft auf Hilfe von oben bei einer juristischen Auseinandersetzung. Seit Jahr und Tag versucht die IG Metall, die sich als Monopolgewerkschaft versteht, unserer zahlenmäßig unterlegenen, christlichen Arbeitnehmervertretung den Status als Gewerkschaft gerichtlich aberkennen zu lassen. In dieser Auseinandersetzung bitten wir um die Unterstützung unseres allerhöchsten Arbeitgebers. Nicht, weil uns die Argumente fehlen. Sondern weil Gottes allmächtiges Wirken vielleicht Einsicht und Vernunft bei den weniger klerikal orientierten Gewerkschaftsführern wecken kann.

Dürfen wir das oder ist das eine Anmaßung? Das muss Gott entscheiden.

Wir haben nur unsere irdischen Argumente. Ist es nicht besser, wenn mündige Arbeitnehmer die freie Wahl haben, von wem sie sich und ihre Interessen vertreten lassen wollen? Wenn es kein Monopol gibt, sondern einen Wettbewerb um die besseren Ideen? Damit wieder mehr Menschen Vertrauen in die gewerkschaftliche Vertretung setzen. Dem Ansehen der Gewerkschaftsbewegung, das mittlerweile ziemlich miserabel ist, kann das nur nutzen.

Der christliche Ansatz in der Arbeitnehmervertretung heißt: Wir stellen den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt, nicht kollektive Macht. Was nützt der beste Flächentarifvertrag, wenn die Existenz des individuellen Arbeitsplatzes durch unrealistische Forderungen bedroht wird? In den neuen wie in den alten Bundesländern sehen wir, dass die erschreckend hohe Arbeitslosigkeit nur wenig mit mangelndem Arbeitswillen oder unzureichender Befähigung der Menschen zu tun hat. Wir haben Angst, dass durch rigorose Forderungen der IG Metall nicht nur die Arbeitszeit reduziert wird, auf 35 Wochenstunden und weniger, sondern die Zahl der Arbeitsplätze. Es ist eine reale Gefahr, dass dann immer mehr Menschen von einer „Null-Stunden-Arbeitswoche" betroffen sind, vom schlimmen Los der Arbeitslosigkeit.

Dagegen erheben wir unsere Stimme – als christliche Gewerkschafter. Und weil es dabei in erster Linie um die Menschen, ihr Selbstwertgefühl und ihre erfolgreiche Erwerbsbiographie geht, deshalb scheue ich mich dann doch nicht, um Gottes Hilfe zu bitten – damit die Stimme der christlichen Arbeitnehmervertretung nicht verstummt.

Der Autor ist ist Bundesvorsitzender der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) und stellvertretender Bundesvorsitzender des Christlichen Gewerkschaftsbundes (CGB).

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