Meinung : „Im Mittelpunkt …

Bettina Wieselmann

… meiner Politik steht der Arbeitsmarkt.“

Als wär’s ein Tag wie jeder andere. „21.04.2005, Plenartag, Ort: Stuttgart, Landtag“, steht heute auf der Terminübersicht von Günther Oettinger. Mehr nicht. Auch die beiden einzigen Tagesordnungspunkte „Wahl des Ministerpräsidenten, Vereidigung des Ministerpräsidenten“ sind nicht aufgeführt.

Als siebter Ministerpräsident Baden-Württembergs wird Günther Oettinger heute in die Villa Reitzenstein einziehen. Die Ära Teufel ist damit abgeschlossen. Wie Teufel wird Oettinger mit 51 Jahren Ministerpräsident, in manchem aber ist der Protestant das schiere Gegenteil vom Vorgänger: urban, offen, sicher weniger belesen, dafür nicht beratungsresistent, selbstbewusst, aber weniger selbstgewiss und ziemlich frei von Scheinheiligkeit.

Über 14 Jahre hinweg hat der Fraktionschef Mehrheiten auch dann für den Regierungschef organisiert, wenn er in der Sache anderer Meinung war. Als „Prinz Charles“ verspottet, legte sich der Mann im Windschatten immer festere Zügel an, nur um das böse Bild vom Königsmörder zu vermeiden. Verhindern konnte er das am Ende nicht. „Oettinger hätte Teufel ein paarmal quälen müssen, damit der ihn ernst nimmt“, erkannte vor Jahren ein Insider. Dabei hat er die Partei im Land längst hinter sich. Vor die Wahl gestellt, mit Teufels Favoritin, Kultusministerin Annette Schavan, oder dem auf allen Feldern beschlagenen Generalisten in die nächste Landtagswahl zu ziehen, war das Votum klar. Mit 60 zu 40 Prozent siegte Oettinger in der Urwahl im November eindeutiger als erwartet. Beim Landesparteitag erhielt er über 92 Prozent.

Mit 21 tritt der Jurastudent in die Junge Union ein, wird Stadtrat, Kreisrat, JU-Landesvorsitzender. Er wird Berufspolitiker, hat aber als Mitinhaber der väterlichen Steuerberatungsfirma ein berufliches Standbein. Seit 1991 sitzt er im Präsidium und Landesvorstand und ist seit 2001 Bezirkschef der nordwürttembergischen CDU. Am Freitag nächster Woche übernimmt er von Teufel den Landesvorsitz.

Beharrlich hat sich der Netzwerker in Sachthemen eingearbeitet, vorneweg in die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Sein Ehrgeiz, für die Union auf diesem Feld auch bundespolitisch Flagge zu zeigen, ist groß. Deshalb ist es kein Zufall, dass an der Regierungserklärung Michael Eilfort mitschreibt, der einstige Büroleiter von Friedrich Merz.

Wie ein Schwamm saugt Oettinger Informationen auf, ordnet sie ein und kann sie blitzschnell wieder abrufen. Wer hauptsächlich in Aktenvermerken denkt, den verwirrt der Vieltelefonierer mit der oft staccatoartigen Sprechweise. „Nicht kanzleifähig“ nannte ihn einst ein Mitglied des Kabinetts. Der künftige Ministerpräsident, der anders als seine beiden Vorgänger nie Regierungsmitglied war, kann darüber nur lachen.

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