Meinung : Im Namen kein Omen

Von Matthias Meisner

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Ostalgie oder linke Alternative – so hat der Historiker Christian von Ditfurth mal ein Buch über die PDS überschrieben. Sieben Jahre ist das her. Das Schöne für die Partei war, dass diese Frage nie entschieden wurde. Weil die Basis der PDS sie nicht entscheiden will. Wohl deshalb auch erregen sich die Genossen von Kap Arkona bis Zittau jetzt so über den Namen „Die Linkspartei“. Sie verdächtigen ihren ausgebufften Gregor Gysi, er missgönne ihnen ihr Eswar-nicht-alles-schlecht-in-der-DDR-Gefühl. Die Basis der PDS sorgt sich, dass da demnächst wirklich etwas neues gesamtdeutsches Linkes entsteht.

Dabei ist die Sorge unbegründet. Etikettenschwindel, wie er gerade mit der Umbenennung der PDS in „Die Linkspartei“ betrieben wird, ist für die Partei gar nichts Neues. Schon seit Jahren landet, wer www.friedenspartei.de im Internet anklickt, bei www.sozialisten.de – das wiederum ist die Homepage des PDS-Parteivorstandes. Auch zur vorgezogenen Bundestagswahl wird die PDS, Bündnis mit der WASG hin oder her, das Geld geben, die Kandidaten bestimmen, den Ton angeben. Ein paar Altlinke aus dem Westen dürfen mittun, ein paar von der SPD enttäuschte Gewerkschafter. Und Oskar Lafontaine. Aber den hat auch Gysi selbst angeschleppt. Im Osten wird neben Linkspartei weiter PDS stehen, die Kurzform „Links. PDS“ soll auf Plakaten erscheinen.

Eine linke Alternative, die nicht nur Sozialromantik der 70er Jahre bietet – weiter Fehlanzeige. Die PDS verspricht, binnen zweier Jahre nach der Wahl werde es ein „erweitertes Projekt der Linken in Deutschland“ geben. Wohlgemerkt: Von „erweitert“, nicht von neu ist die Rede. Die PDS wird drin sein, auch wenn Linkspartei oder später mal sonst was draufsteht. Und gemessen am eigenen Anspruch sind PDS und WASG mit ihrer Mogelpackung schon jetzt durchgefallen. Gysi selbst hat es einmal als klassischen Fehler der Linken bezeichnet, dass die nur ewig diskutiere, sich wichtiger nehme als die Probleme der Menschen. Der Streit um den Parteinamen hat gezeigt, dass sich da nichts ändern wird. Vier Wochen hat er gedauert. Im gleichen Zeitraum hat die potenziell drittstärkste Kraft im Bundestag keinen einzigen neuen inhaltlichen Vorschlag zu Papier gebracht.

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