Meinung : Im Rausch

Auf Wirtschaftsprüfer der Bankgesellschaft kommen Schadenersatzforderungen zu

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Von Alfons Frese

Berlin, die Hauptstadt der organisierten Kriminalität? Die feinen Herren mit ihren Villen in Dahlem – Spitzbuben, die eine Drei-Millionen-Stadt ruinieren? Kreisklassen-Politiker, die mit einem eigenen Bankhaus in der nationalen Liga mitspielen möchten – und die vom Treiben ihrer Bankmanager nichts haben wissen wollen? Die jüngsten Berichte über die Bankgesellschaft Berlin werfen eine Menge Fragen auf. Immerhin wird klarer, warum nicht früher die Bremse gezogen wurde, um die enormen Immobilienrisiken in Grenzen zu halten. Die Wirtschaftsprüfer haben offenbar gepennt – um es zurückhaltend zu sagen. Und die oberen Bankmanager haben die unteren Bankmanager gewähren lassen. Und die Aufsichtsräte aus Wirtschaft und Politik? Ahnungslos.

Vor fünf Jahren hat ein Wirtschaftsprüfer aus Hannover den Immobiliengeschäften der Bankgesellschaft bescheinigt, dass sie krumm sind: Es konnte hinten und vorne nicht hinhauen, den Käufern von Fondsanteilen feste Renditen über mehr als 20 Jahre zuzusichern; unterstellt wurde bei der halsbrecherischen Kalkulation zum Beispiel eine jährliche Steigerung der Mieten um drei Prozent – in Ostdeutschland und Berlin völlig irreal. Das Gutachten des Hannoveraners verschwand, und die angestammten Wirtschaftsprüfer der Bankgesellschaft, die BDO Deutsche Warentreuhand, segnete weiter die Bilanzen ab. Wäre der Immobilienirrsinn damals gestoppt worden, dann gäbe es heute rund 50 Prozent weniger wacklige Fonds. Und das Land Berlin müsste nicht Risiken über 21 Milliarden Euro abdecken.

Die Verantwortung für das Desaster tragen an erster Stelle die Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft IBG, die wie im Rausch einen Fonds nach dem anderen auflegten, mit tollen Renditen Anleger, darunter viele Bekannte und Prominente, anlockten und schließlich jedes Maß verloren. Den übergeschnappten Fondsmanagern pfuschte aber niemand ins Handwerk, deshalb sind die Vorgesetzten an der Spitze der Landesbank Berlin und schließlich des Konzerns Bankgesellschaft mitschuldig an der unerhörten Geldvernichtung.

Diese Banker ruhen sanft auf ihren Abfindungen und Apanagen, während sich das Land Berlin wegen der Pleite der Bank kaum noch die Renovierung einer Schule leisten kann. Doch vielleicht steht am Ende wieder die ganze Republik gerade für die Folgen Berliner Fehler. Wenn nämlich das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen bei der Beobachtung der Bankgesellschaft nicht genau hingeguckt hat und nun deshalb auf Schadenersatz verklagt wird. Da es eine Bundesbehörde betrifft, müsste der Bund haften – und damit die Steuerzahler landesweit. Die Sympathiewerte der Hauptstadt im Rest der Republik würde das vermutlich nicht nach oben schießen lassen. Das muss Berlin aushalten.

Hans-Jörg Vetter, seit Ende des vergangenen Jahres amtierender Chef der Bankgesellschaft, scheint den Laden jetzt ausmisten zu wollen, alle Risiken aufzudecken und Altlasten abzuarbeiten. Dass muss auch so sein, damit die Bank im nächsten Jahr verkauft werden kann und das Elend mit dem Einfluss der Politik endlich vorbei ist. Und Vetter lässt Schadenersatzansprüche prüfen. Auch das ist richtig. Die Arbeit von Managern und Wirtschaftsprüfern kann gar nicht penibel genug untersucht werden.

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