Meinung : Im richtigen Film

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Kim Jong Il ist ein Diktator wider Willen. Viel lieber als über das nordkoreanische Volk zu herrschen, hat er einmal gesagt, würde er Filme machen. Als Kritiker hat er sich schon mit dem Buch „Über die Kunst des Films“ einen Namen gemacht. So grenzenlos ist sein Einsatz für den Film, dass er 1978 einen Regisseur samt wunderschöner Schauspielerin nach Nordkorea entführen ließ. Kim schaue Film vornehmlich als Abbildung sozialer Realität, berichtete der später, und nannte auch gleich die Lieblingsstreifen des Diktators: „Freitag, der 13.“, „Rambo“ und alles mit Liz Taylor. Das ist, wird sich das Auswärtige Amt gesagt haben, ein etwas amerikalastiges Bild der westlichen Realität, und eröffnete nun in Pjöngjang ein GoetheInstitut. Auch die Bedingung „unzensierter Medienbestände“ wurde erfüllt und nun kann sich Kim Deutschland endlich nach Hause ausleihen. Doch was kommt ins Regal? Herrscht im Land eine „bleierne Zeit“ (von Trotta), ist es „das letzte Loch“ (Achternbusch), oder „können wir auch anders“ (Buck), weil wir „absolute Giganten“ (Schipper) sind? Wird der Cineast aus Korea uns „abgeschminkt“ (von Garnier) sehen oder gar „nackt“ (Dörrie)? Anfangen sollte Kim vielleicht mit „Das Leben ist eine Baustelle“ (Becker). Das trifft die soziale Realität in Deutschland meistens ganz gut. mos

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