Meinung : Im Treibsand

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US-Vizepräsident Dick Cheney vertrat im Jahre 1991 über die Zukunftsaussichten einer Irak-Intervention andere Ansichten als heute. Der damalige Verteidigungsminister sagte seinerzeit zu Forderungen, die Amerikaner hätten im ersten Golfkrieg Saddam Hussein stürzen müssen:

„Wenn wir Saddam beseitigen wollten, müssten wir dazu eine Menge Truppen einsetzen. Und wenn wir es geschafft und Saddam Hussein samt seiner Regierung beseitigt hätten, müssten wir sie durch eine andere Regierung ersetzen. Aber was für eine Regierung? Eine sunnitische oder eine schiitische oder eine kurdische Regierung, oder etwa ein neues Baath-Regime? Oder wollen wir vielleicht ein paar islamische Fundamentalisten ins Spiel bringen? Wie lange müssten wir in Bagdad bleiben, um eine solche Regierung an der Macht zu halten? Was würde mit dieser Regierung geschehen, wenn die US-Truppen irgendwann abzögen? Wie viele Tote und Verwundete sollten die Vereinigten Staaten in Kauf nehmen für diesen Versuch, klare und stabile Verhältnisse herzustellen? Meiner Meinung nach wäre es ein Fehler gewesen, wenn wir es zugelassen hätten, in diesem innerirakischen Treibsand zu versacken.“

Im August 2002 gab Cheney vor Veteranen in Nashville dagegen rhetorisch den Startschuss für den Irakkrieg. Damals sagte er:

„Ein Argument (gegen den Krieg) lautet, der Widerstand gegen Saddam würde noch größere Probleme schaffen und den umfassenderen Krieg gegen den Terror behindern. Meiner Ansicht nach trifft das Gegenteil zu. Ein Machtwechsel im Irak würde der Region eine Reihe von Vorteilen bringen. Wenn die gravierendsten Bedrohungen beseitigt sind, werden die Menschen der Region eine Chance zur Förderung der Werte haben, die dauerhaften Frieden herbeiführen können. (...) Die Extremisten müssten ihre Strategie des Dschihad überdenken. Gemäßigte in der gesamten Region würden Mut fassen. Und unsere Fähigkeit zur Förderung des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses würde verbessert, so wie es nach der Befreiung Kuwaits 1991 der Fall war.“

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