Meinung : Im Wind

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Das wird die größte Herausforderung seines bisherigen politischen Lebens. Guido Westerwelle übernimmt zusätzlich zum FDP-Vorsitz am 1. Mai auch noch die Fraktionsführung im Bundestag. Um mit Helmut Kohl zu sprechen: Nun geht es ihm wie dem Wetterhahn auf dem Kirchturm, er ist ganz oben, und jeder Wind weht ihn an. Er muss stehen und zugleich die Richtung anzeigen. Verstecken kann er sich nicht, es gibt keinen anderen mehr neben ihm. Die Chance für ihn ist zu zeigen, welche Substanz er bieten kann; die Gefahr ist, dass die Menschen, die er in der Partei wie da draußen im Land gewinnen will, nicht ausreichen. Ein erster Akzent ist Westerwelles Ansage, dass die FDP ökologisch-modern sein soll. Damit richtet er sich gegen die Grünen, den Wettbewerber um den dritten Platz im Parteienspektrum. Denen auf ihrem lange ureigenen Feld Stimmen abnehmen zu wollen, ist wohl richtig; denn die Grünen werden ihrerseits marktwirtschaftlicher, bürgerlicher, tolerant-liberaler. Zusätzlich allerdings müsste die FDP wieder sozialer werden, eingedenk ihrer Tradition der 70er Jahre, und die Bürgerrechte ganz deutlich als ihre Domäne herausstellen. Nirgendwo hat sie in vergangener Zeit politisch besser ausgesehen. Westerwelle kann dann als Nummer eins Erfolg haben, wenn er daran denkt, für wen er Verantwortung trägt: die Liberalen. cas

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