Im WORT laut : Berauscht von der Vision des Projekts

Im Magazin der „New York Times“ analysiert Nobelpreisträger Paul Krugman unter der Überschrift „Kann Europa gerettet werden?“ den Aufstieg und Fall des Euro

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Europa ist in einer schweren Krise – weil seine größte Leistung, die von den meisten europäischen Nationen eingeführte gemeinsame Währung, in Gefahr ist. Mehr noch, sie stellt sich in zunehmender Weise als eine Falle dar. Irland, vor kurzem noch als „keltischer Tiger“ gefeiert, kämpft heute gegen die Staatspleite. Spanien, dessen Wirtschaft noch in jüngster Vergangenheit boomte, hat heute eine Arbeitslosigkeit von 20 Prozent und Jahre einer mühsamen, schmerzhaften Inflation vor sich.

Die Tragödie des Eurochaos liegt darin, dass die Schaffung des Euro der Höhepunkt eines großartigen und hehren Vorhabens sein sollte: der sich über Generationen hinziehende Versuch, Frieden, Demokratie und gemeinsamen Wohlstand auf einem immer wieder von Kriegen heimgesuchten Kontinent zu verankern. Aber die Architekten des Euro, berauscht von der Vision und der Größe ihres Projekts, entschieden sich dafür, die alltäglichen Probleme, mit der eine Gemeinschaftswährung erwartungsgemäß konfrontiert ist, zu ignorieren – jene Warnungen zu ignorieren, die von Anfang an zu hören waren, dass Europa nicht über die Institutionen, die für eine gemeinsame Währung notwendig sind, verfügt. Sie gaben sich stattdessen einem Wunschdenken hin und handelten, als ob die Vornehmheit ihrer Mission solche Bedenken überwinden würde.

Das Ergebnis ist eine Tragödie nicht nur für Europa, sondern auch für die Welt, für die Europa ein entscheidendes Vorbild ist.

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