Im WORT laut : Der Kapitalismus hat eine Alternative zur Demokratie

Der Leiter des Hauptstadtbüros des „Spiegels“,

Dirk Kurbjuweit,

schreibt in der aktuellen Ausgabe des Magazins über das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus: „Ein großer Fehler der Demokratien war, sich dem Kapitalismus anzubiedern (...). Schon in den 80er Jahren haben Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den USA und in Großbritannien einen forcierten Kapitalismus zugelassen. Die rot-grüne Bundesregierung folgte diesem Kurs zu Beginn des neuen Jahrtausends, indem sie die Finanzmärkte liberalisierte. Und fast alle Demokratien haben sich durch exzessive Schuldenpolitik in die Hände der ruchlosen Kapitalisten begeben. Da müssen sie raus.

Das Problem ist, dass der Kapitalismus Alternativen hat zur Demokratie, aber die Demokratie nicht zum Kapitalismus. Der Sozialismus muss die Freiheiten drastisch beschränken, damit er leben kann, und selbst so lebt er nur für ein paar Jahrzehnte, wie sich gezeigt hat. Aber auch der Kapitalismus zerstört die Demokratien (...). Denn die Politik tut sich schwer, die Krisen zu bewältigen, und treibt dabei einen Keil zwischen sich und die Bürger, die nicht verstehen, warum den Banken ständig geholfen wird, wo doch die Banken in ihren ruchlosen Sparten ein großer Teil des Problems sind.

Wie löst man das? (...) Die Demokratien (...) dürfen nur den Kapitalismus zulassen, den vertragen, sie müssen Regeln setzen, sie müssen die Gier beschränken, zum Beispiel durch eine Finanztransaktionssteuer und eine strengere Regulierung der Banken. Damit wird der Kapitalismus in Europa nicht aufgegeben. Die Demokratien müssen um die Unternehmen werben (...). Denen haben sie eine Menge zu bieten: Stabilität, Sicherheit, Friedlichkeit, ein wachsendes Umweltbewusstsein und eine gut ausgebildete, leistungsfähige Bevölkerung. Deshalb können die europäischen Demokratien den Systemwettbewerb eines neuen Zeitalters selbstbewusst aufnehmen: demokratischer Kapitalismus gegen ruchlosen.“

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