Im WORT laut : Der Wirtschaftsminister mutiert vom Gralshüter zum Gralshüterchen

Kaum eine Frage beschäftigt das politische Berlin derzeit mehr als die: Wie stark ist Karl-Theodor zu Guttenberg?

Kaum eine Frage beschäftigt das politische Berlin derzeit mehr als die: Wie stark ist Karl-Theodor zu Guttenberg? Die „Welt am Sonntag“ sieht den Wirtschaftsminister trotz dessen Niederlage im Opel-Poker im Aufwind:

„Die Attacke von Altkanzler Gerhard Schröder, der Guttenberg spöttelnd den ,Baron aus Bayern‘ nannte, hat dem jungen Minister an der Parteibasis Respekt eingebracht: viel Feind, viel Ehr, heißt es. Man bewundert die Standfestigkeit des Barons zu Guttenberg. Der Versuch, Guttenberg als kalten Wirtschaftsliberalen hinzustellen, scheint offenbar zu scheitern.“

Etwas skeptischer urteilt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“:

„Mit geradezu atemberaubender Geschwindigkeit haben die Machtpolitiker Merkel und Seehofer das Gralshüterchen Guttenberg wieder auf sein Normalmaß geschrumpft. Über Monate hatten sich in der CDU bis hin zu Innenminister Schäuble immer wieder diejenigen zu Wort gemeldet, die eine Insolvenz für Opel befürworteten. Noch kurz vor der Einigung auf staatliche Hilfe für Opel in der Nacht zum vorigen Samstag waren Zitate der Kanzlerin aus einem ,Spiegel‘-Interview über die Agenturen gelaufen, in denen sie eine Insolvenz nicht ausschloss. Allerdings dürfte Guttenberg da schon seine bevorstehende Niederlage geahnt haben. Zu deutlich war, dass Frau Merkel die Insolvenz nebst deren Befürworter Guttenberg nur noch als Keule mit in die Gespräche nahm, um wenigstens ein bisschen Druck auf die übermütigen Verhandlungspartner auszuüben.“

Im Interview mit dem „Spiegel“ schließlich kommt Guttenberg selbst zu Wort:

„Spiegel: Die SPD setzt darauf, dass Sie die Wähler der Union verschrecken, und freut sich über den herzlosen ,Baron aus Bayern‘, wie Altbundeskanzler Gerhard Schröder Sie nennt. Ärgert Sie das?

Guttenberg: Über den Holzmann-Kanzler lache ich gern und herzlich. Ich kann mich über mangelnden Zuspruch aus der Bevölkerung nicht beklagen. Mein Eindruck ist, dass es die Bürger ganz überwiegend richtig finden, wenn man auf den vernünftigen Einsatz von Steuermitteln drängt. Die Breite der Bevölkerung will auch keine Rettung um der Rettung willen. Die Menschen durchschauen die wahltaktischen Erwägungen, die hinter solchen Rettungen stehen, viel klarer, als manche glauben.“

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