Im WORT laut : „Explosive Mischung aus Rückständigkeit und Modernisierung“

Im Leitartikel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ stellt Christiane Hoffmann die Frage, ob die arabischen Gesellschaften reif sind für die Demokratie:



„Es ist nicht rassistisch, zu bemerken, dass sich die westliche Demokratie unter sehr speziellen historischen Bedingungen entwickelt hat. Dass sich diese Entwicklung in den arabischen Gesellschaften mit ihrer explosiven Mischung aus Rückständigkeit und Modernisierung unter dem demographischen Druck einer starken Generation ungeduldiger junger Erwachsener ohne die Voraussetzungen von Aufklärung und Säkularisierung rasch nachholen ließe, ist eine Illusion.

Die Umwälzungen in Arabien kommen weitgehend ohne Bezug zum Westen aus – im Negativen wie im Positiven . Sie sind kein antikoloniales Aufbegehren gegen westliche Vorherrschaft und Bevormundung, aber auch kein Streben nach westlichen Werten. Als Verfechter seiner Werte ist der Westen ohnehin unglaubwürdig geworden: durch seine Allianz mit den Diktatoren, durch die Kriege im Irak und in Afghanistan. Der Westen ist zur Quantité négligeable geworden. Und er sollte aufhören, in den arabischen Revolutionen einen Sieg seiner Werte zu feiern, und sich darauf einstellen, dass sein Einfluss in dieser vermutlich auf längere Sicht instabilen Region weiter schwinden wird.“

Auch der „Spiegel“ fragt in seiner Titelgeschichte „Arabiens Stunde Null – Wohin führt die neue Freiheit?“ Darin heißt es:



„Noch ist nicht ausgemacht, ob die Besonnenheit der ägyptischen und tunesischen Armeeführung auch eine schwere Versorgungskrise überdauert, die jeden Moment ausbrechen könnte. Und es bleibt abzuwarten, ob die Generäle in Kairo dem türkischen Beispiel folgen, sich in ihre Kasernen zurückziehen und die Macht an eine zivile Autorität übertragen.

Die USA werden den Armeen des Nahen Ostens vermutlich mit Geduld begegnen – doch auch Europa wird sich vielleicht darauf einstellen müssen, dass eine militärische Ordnung mitunter besser ist als gar keine Ordnung. Und dass selbst Nassers totalitärer Staat ein Werkzeug hinterlassen haben könnte, das über die schwierige Übergangszeit hinweghilft.“

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