Im WORT laut : „Geil“ als Sonderfall in der Jugendsprache

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ analysiert die Gründe für den Wandel von Sprachen:

Verschiedene Sprachstufen entstehen vor allem durch Lautwanderung. So war unter anderem die Änderung der Konsonanten in bestimmten Wortgruppen daran schuld, dass aus dem Germanischen das Althochdeutsche wurde. Bei dieser sogenannten althochdeutschen Lautverschiebung, die sich zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert nach Christus abspielte, wurde zum Beispiel „Appel“ zu „Apfel“ und „ik“ zu „ich“ – allerdings nicht im gesamten altdeutschen Sprachraum. So trennt die Benrather Linie (auch maken/machen-Linie genannt) noch heute das Niederdeutsche vom Hochdeutschen. Viele Berliner sagen auch heute noch „ik“ statt „ich“.

(...) Doch warum kommen Menschen auf die Idee, plötzlich anders zu sprechen? Weil sie, sagt Keller (Rudi Keller, Professor em. für Sprachwissenschaft der Universität Düsseldorf), sich in einer Weise ausdrücken wollen, die ihren Zwecken entspricht. Wollen sich Jugendliche beispielsweise von den Eltern und Großeltern abgrenzen, eignen sich dafür unter anderem Tabuwörter wie „geil“ – und natürlich gehört es zum Phänomen des Sprachwandels, dass sich dabei das Wort selbst verändert. Je mehr Menschen es benutzen, umso schwächer wird das Tabu. Heute verwenden zwar nach einer Studie des IfD (Institut für Demoskopie Allensbach) 81 Prozent der 16- bis 29-Jährigen den Ausdruck „geil“. Unter den 45- bis 59-Jährigen sind es aber immerhin noch 47 Prozent. Wie soll man sich da als Jugendlicher noch groß abgrenzen? Insofern nimmt „geil“ einen Sonderfall in der Jugendsprache ein, deren Schnelllebigkeit häufig nicht zu dauerhaftem Sprachwandel führt.

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