Im WORT laut : „Ich bin ein Liberaler, und das bin ich voll und ganz“

Auszüge aus einem Interview mit Otto Graf Lambsdorff

Auszüge aus einem Interview mit Otto Graf Lambsdorff, das in „Die Kraft der Freiheit. Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Liberalismus“ (herausgegeben von Wolfgang Gerhardt, Hohenheim Verlag 2008) erschienen ist:

Ich habe nie was von Sozial-Liberalen, Rechts-Liberalen, Links-Liberalen und was es sonst noch an Bindestrich-Liberalen gibt, gehalten; ich habe immer gesagt: Ich bin ein Liberaler, und das bin ich voll und ganz; jedenfalls bemühe ich mich darum. Deshalb kann man die Klassifizierung in bestimmte Kästchen mit mir nicht veranstalten. Wer weiß, welche Stellung ich in Rechtsstaats- und Menschenrechtsfragen eingenommen habe, ob das der Lauschangriff war, ob das die Ausladung an den iranischen Außenminister war nach der Attacke des Irans auf den ermordeten Rabin oder ob es die Abstimmung zur Tibetresolution war – wie überhaupt meine Haltung in der Tibetfrage –, der wird mir glauben: Für mich sind Rechtsstaat und Marktwirtschaft zwei Seiten derselben Medaille; das hat mein ganzes politisches Leben bestimmt …

Gesetzt den Fall, ich wäre jetzt Bundeskanzler, dann würde ich zumindest das tun, was Angela Merkel mit ein bisschen Anklang an Maggie Thatcher noch auf dem Leipziger Bundesparteitag der CDU vor der Bundestagswahl versprochen hat … Weil ich aber nicht Bundeskanzler bin und wohl auch nicht mehr werde, rate ich Angela Merkel, die Große Koalition so schnell wie möglich zu beenden. Dann kann sie mit der FDP auf den Weg bringen, was Ludwig Erhard mit „Wohlstand für alle“ meinte und was die FDP 1997 in ihren Wiesbadener Grundsätzen für die liberale Bürgergesellschaft meint: Teilhabe für alle durch Bildung, durch eine Steuerstrukturreform mit integriertem Steuer- und Sozialsystem („Bürgergeld“), Vermögen für alle und einen Generationenvertrag mit Verfassungsschranken gegen Steuerlast und Staatsverschuldung, dazu mehr kommunale Autonomie und Wettbewerbsföderalismus.

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