Im WORT laut : Jesus sagt: Liebet die Terroristen!

Auszug aus der Rede des Kirchentagspräsidenten Reinhard Höppner auf dem Schlussgottesdienst am Sonntag in Köln:

Ich wünsche unserer Kirche, dass sie in unserer Welt der Talkshows und Werbespots sich immer wieder auf diesen Schatz besinnt, ihm Geltung verschafft und uns Mut macht. Das kräftige Wort begleite sie auf ihrem Weg. Unser Leben ist es, an dem die Welt erkennt, was die Bibel heute sagt. Das Wort lässt uns schärfer sehen, was in unserer Welt passiert. Wie wir unsere Freiheit immer wieder auf dem Altar der Sicherheit opfern. Wie die entfesselten Marktkräfte immer mehr Menschen zu Verlierern stempeln und sie, wie in einer Zentrifuge, an den Rand der Gesellschaft schleudern: Ballast im Zeitalter der Globalisierung. Wir sehen schärfer, wo die Würde des Menschen verletzt wird, durch bittere Armut, durch gnadenlose Ausbeutung, durch Kriege, in denen Mächtige anderen ihren Willen aufzwingen. Im Protest gegen solche Entwürdigungen waren wir hier auf dem Kirchentag mit vielen friedlichen Demonstranten um Heiligendamm verbunden.

Und wir erkennen auch: Wo die Macht der Würde sich entfalten kann, da strahlt uns aus jedem Menschengesicht das Antlitz Gottes entgegen. Darum lautet eine Mahnung an alle, die immer noch auf die Macht des Stärkeren setzen: Haltet ein! Vermeidet Demütigungen! Erniedrigung provoziert Terrorismus. Demütigung führt zu Gewalt.

Das gilt im Umgang mit anderen Kulturen und Religionen. Der Dialog über diese Grenzen hinweg ist für den Kirchentag wichtig und wird weitergehen. Ein Dialog auf Augenhöhe, in den wir selbstbewusst unser christliches Profil einbringen. Das gilt auch im Umgang miteinander. Nur wo auch mein Feind einen menschenwürdigen Platz hat, kann Frieden werden. Mein Feind? Auch die Taliban und die Terroristen? Jesus sagt: Liebet eure Feinde. An Schärfe lässt sich das Wort Gottes kaum überbieten. Ja, auch sie gehören an den Verhandlungstisch. Das kann lange dauern, wie wir im Nahen Osten sehen. Aber es ist der Weg des Friedens.

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