Im WORT laut : Kultursubventionen – die Hälfte tut’s auch

Im „Spiegel“ steht ein Vorabdruck aus dem Buch „Der Kulturinfarkt“. Darin fordern vier Kulturexperten eine Halbierung der Subventionen.

„Die Gretchenfrage lautet: Wo nimmt Kulturpolitik den Spielraum her, um Zukunft zu gestalten? Bisher geschah das durch Ausbau, durch Ausweitung der Förderkreise. Doch angesichts von 13-stelligen Staatsschulden ist damit wohl Schluss. Die vorhandenen institutionellen Strukturen der geförderten Kultur absorbieren einen zu großen Teil der kulturellen Mittel. (...)

Wenn aber von Kultur die Rede ist, wird immer gleich alles, was ist, für notwendig und unverzichtbar erklärt, ohne Ziele und Wirkungen von Förderung überhaupt in den Blick zu nehmen. Und so kann sich noch jedes Angebot hinter dem Globalziel ,Kultur für alle’ wegducken – ohne weitere Pflichten.

Was wäre, wenn die Hälfte der Theater und Museen verschwände, einige Archive zusammengelegt und Konzertbühnen privatisiert würden? 3200 statt 6300 Museen in Deutschland, 70 staatliche und städtische Bühnen statt 140, 4000 Bibliotheken statt 8200 – wäre das die Apokalypse?

Was, wenn die frei gewordenen Mittel sich verteilten auf die verbleibenden Einrichtungen, auf neue Formen und Medien kultureller Produktion und Distribution, auf die Laienkultur, die Kunstausbildung und eine tatsächlich interkulturell ausgerichtete kulturelle Bildung? Das hieße, das Mantra der ,Kultur für alle’ fallenzulassen, dem Individuum für seine Entwicklung die Selbstverantwortung zu überlassen, nachfrageorientierter zu produzieren und, am wichtigsten, die erneuernden Kräfte zu stärken. So wäre Zukunftsfähigkeit wieder Teil der Kulturpolitik.“

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