Im WORT laut : „Sympathie mit den Deutschen“

Auch das gibt’s: David Brooks, einer der bekanntesten US-Kolumnisten, lobt in der „New York Times“ die Deutschen in der Eurokrise:

„In den letzten Jahrzehnten haben einige europäische Länder, wie Deutschland und die Niederlande, die Regeln beachtet, und sie wurden gut regiert. Die Menschen haben innerhalb ihrer Möglichkeiten gelebt, schmerzhafte Reformen verabschiedet, ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert und sich auf solide Werte besonnen. Jetzt werden ausgerechnet diese Länder brutal unter moralischen Druck gesetzt, Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien aus der Patsche zu helfen, die all diese Dinge nicht getan, sondern sich stattdessen viel Geld geliehen haben, das sie nicht zurückzahlen können. (...) Es ist wahr, dass die Deutschen enorm von der Eurozone und der geplatzten Immobilienblase im Süden Europas profitiert haben; auch sind deutsche und französische Banken nicht schuldlos. Es ist wahr, dass die Konsequenzen für die Welt verheerend wären, wenn die Eurozone auseinanderbrechen würde. Es ist wahr, dass in einer Krise Dinge gemacht werden müssen, die man normalerweise nicht macht, weil sie gegen gängige Werte verstoßen.

Aber unsere Sympathie sollte dem deutschen Volk gelten. Es benimmt sich nicht egoistisch, wenn es im Gegenzug zur Rettung der anderen auf Strukturreformen besteht. Es ist nicht Gefangener irgendeiner rigiden Ideologie. Es ist nicht besessen von einer semisenilen Weimarer Angst vor galoppierender Inflation. Stattdessen verteidigt das deutsche Volk die Werte, Gewohnheiten und den Sozialvertrag, auf dem der gesamte Wohlstand des Westens basiert. (...) Europa steht nicht allein vor der Herausforderung, den Finanzkollaps zu vermeiden, sondern es muss dies auf eine Weise schaffen, dass das Saatbeet des Wohlstands nicht vergiftet wird.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben