Im WORT laut : Unfreiwillige NSDAP-Mitglieder?

Ich, in der NSDAP? Grotesk. Der Schriftsteller Dieter Wellershoff über den Umgang mit seiner Karteikarte.

Dieter Wellershoff

Im „Spiegel“ nennt der Schriftsteller Dieter Wellershoff die Mitteilung, dass eine Karteikarte ihn als Mitglied der NSDAP ausweise, einen grotesken Irrtum. Er sei vermutlich durch eine Sammelliste, ohne sein Wisssen, aufgenommen worden sein:

Was ist das für ein befremdliches Interesse, das diesem Nazi-Funktionär Anton Lingg, der Leiter des Mitgliedsamtes bei der Reichsleitung der NSDAP hatte nach dem Krieg behauptet, niemand sei ohne einen persönlich unterschriebenen Antrag in die Partei aufgenommen worden] Glaubhaftigkeit zubilligt, um einer langen Reihe von Intellektuellen, Schriftstellern, Künstlern, Musikern, Wissenschaftlern und Politikern, die gegen Ende des Krieges zwischen 17 und 21 Jahre alt waren und in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich die Kultur unseres Landes geprägt haben, unterstellen zu können, sie seien Lügner, die sich weigerten, freiwillige Mitglieder der Nazi- Partei gewesen zu sein? Handelt es sich hier um einen nachgetragenen Generationenkrieg?

Die Glaubwürdigkeitsdebatte ist 2007 durch einen Artikel im „Focus“ ausgelöst worden und dauert noch immer an. Aber sie hat sich gewendet, schon allein deshalb, weil die vorübergehend verdächtigten Personen im Gegensatz zu jenem Lingg alle durch ihr Lebenswerk ausgewiesene Menschen sind, die es nicht nötig hätten, Irrtümer und ideologische Gläubigkeiten ihrer Jugend zu verleugnen.

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