Im WORT laut : Vorausschauend planen für ein Syrien nach Assad

Während am Wochenende in Syrien die Kämpfe um Aleppo weitergingen, machen sich die außenpolitischen Publizisten Gedanken über die Zeit nach einem Regimewechsel. Dazu meint Ex-Außenminister Joschka Fischer in einem Beitrag für die Webseite „Project Syndicate“

: „Niemand sollte sich angesichts des anstehenden Regimewechsels falsche Hoffnungen machen: Assads Regime wird nicht durch einen demokratischen Rechtsstaat ersetzt werden. Im Gegenteil, es ist wahrscheinlich, dass die Ära nach Assad noch chaotischer und gewalttätiger sein wird, wenn die Regimegegner mit den Regimeunterstützern abrechnen und die Konflikte zwischen den verschiedenen Klans und Religionsgemeinschaften aufbrechen. Wie in anderen arabischen Ländern auch, wird die säkulare Tyrannei durch die Herrschaft der sunnitischen Muslimbruderschaft ersetzt werden, die in Syrien die Bevölkerungsmehrheit repräsentiert. (...) Trotz seiner Radikalität war das Assad-Regime für Israel immer vorhersagbar. Es kannte die Grenzen und akzeptierte sie. Im Gegensatz dazu birgt die heutige Unsicherheit die Gefahr eines Krieges in der Region.“

Der US-Sicherheitsexperte Daniel Byman, Direktor des Instituts für Friedens- und Sicherheitsforschung an der Georgetown-Universität, meint dazu: „Wenn Assad bald fällt, wird der syrische Staat nicht automatisch über Nacht zerbrechen, doch es sollten schon jetzt Pläne gemacht werden, wie das verhindert werden kann und wie die Folgen abgemildert werden können (...). Es sollte eine Kontaktgruppe geben, die die Türkei, Jordanien, Saudi-Arabien und westliche Schlüsselländer umfasst, die sicherstellt, dass die Kommunikationskanäle zwischen verschiedenen Gegnern Assads offen bleiben. Um zu verhindern, dass die Opposition nach Assad schwächelt, müssen die Alliierten zusammenarbeiten, um sie zu stärken. Geld und Waffen sollten als Anreize eingesetzt werden, um die Opposition zu einen und zur Zusammenarbeit zu bewegen. Die pro-westlichen Elemente sollten gestärkt werden (...). Des Weiteren sollten die Alliierten beginnen, die Opposition zu Verhandlungen zu drängen – damit ein Regierungssystem für die Phase des Übergangs schon vorab existiert und um Kämpfen innerhalb der Opposition zuvorzukommen.

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