Im WORT laut : „Witzfigur der deutschen Politik“

Wer wird SPD-Kanzlerkandidat, Kurt Beck oder Frank-Walter Steinmeier? Diese Frage beschäftigt deutsche Politikanalysten. Denn sie droht die Partei zu entzweien.

Beck hat nach wie vor die stärkste Bindung an die Partei, doch die öffentliche Unterstützung für ihn schwindet immer mehr. Bei Steinmeier ist es umgekehrt: Er wird immer beliebter, doch die Partei fremdelt eher mit ihm. Dass die Kanzlerkandidatur zumindest offen erscheint, trägt zu den schlechten Umfragewerten der SPD bei. Noch vor der Sommerpause müsse ein Signal des Aufbruchs kommen, heißt es in der Bundestagsfraktion. Das soll auf dem Zukunftskonvent Ende Mai geschehen. Doch auch dort wird es in der öffentlichen Wahrnehmung um die K-Frage gehen, darum, ob Beck es kann und macht. Ein „Duell“ mit Steinmeier soll deshalb vermieden werden – bei aufeinanderfolgenden Reden wäre ein Vergleich zwangsläufig entstanden. Die Situation erinnert an die Lage der SPD vor zehn Jahren. Auch damals ließ man die möglichen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine auf Veranstaltungen nicht hintereinander reden.

Käme die SPD im Herbst nächsten Jahres nur auf um die 25 Prozent wie in einigen aktuellen Umfragen, würden etliche Genossen ihre Mandate verlieren. „In der Fraktion kriecht langsam, aber sicher die Angst hoch“, sagt ein SPD-Minister. „Steinmeier gelingt es derzeit besser als Beck, viele unterschiedliche Wählergruppen anzusprechen“, fasst Richard Hilmer, Chef des Instituts TNS Infratest, die Argumente zusammen. Für Forsa-Chef Manfred Güllner ist der Mainzer Ministerpräsident längst völlig chancenlos: „Beck hat sich zur Witzfigur der deutschen Politik gemacht. Mit jedem Auftritt wird dieser Eindruck nur noch verstärkt.“ Das eine große Problem der SPD mag derzeit der Vorsitzende sein. Das andere ist die Alternative zu ihm. Steinmeier ist denen, die Hoffnungen in ihn setzen, zu zögerlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar