Im WORTlaut : „Die SPD war einmal die Schutzmacht der kleinen Leute“

Auszüge aus der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der "Welt am Sonntag".

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ räsoniert der Politikwissenschaftler Oliver Nachtwey über die SPD:

Wo bei der SPD Gerechtigkeit und Sozialstaat draufstehen, sind längst andere Vorstellungen von Gerechtigkeit und Sozialstaat drin. (...) Die SPD war in ihrer Geschichte immer eine Partei der Leistungswilligen und Bildungshungrigen, die von unten kamen und nach oben wollten. Aber sie war gleichzeitig eine Partei der Schwachen, die den Absprung nicht schafften, der Abgehängten, die unten blieben, weil für sie der gesellschaftliche Wandel zu schnell voranschritt. Sie war die Schutzmacht der kleinen Leute. Genau von diesem Teil der sozialdemokratischen Identität nimmt man in der SPD gerade Abschied. Nur wenn sie begreift, dass sie für die Bürgerinnen und Bürger viel zu wenig die Partei der Gerechtigkeit und viel zu sehr die Partei der Wirtschaft ist, wird die SPD wieder aus dem 25-Prozent-Tal herausfinden.



In der „Welt am Sonntag“ befasst sich der Mediziner und Theologe Manfred Lütz mit dem Verhältnis von Evolutionslehre und Christentum:

Allein ein Grashalm ist komplexer konstruiert als ein VW-Käfer. Das Wie seiner evolutiven Entstehung kann ich mit der Evolutionstheorie rein deskriptiv zutreffend beschreiben. Doch damit wird nicht die Frage beantwortet, wer Natur und Naturgesetze so eingerichtet hat, dass die Evolution sich zur kapillaren Feinheit eines solchen Grashalms erheben würde. Gewiss haben belebte Systeme gegenüber einem VW-Käfer eine gewisse Eigendynamik. Doch indem wir das Wort „Leben“ an die Stelle kleben, an der wir nichts mehr erklären können, haben wir auch noch nichts erklärt.

Dass jedenfalls durch bloßes Überleben der Durchsetzungsfähigsten die für Krieg und Durchsetzung nicht sehr geeignete Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven entstehen konnte, glauben manche vielleicht nur noch deswegen, weil man eine falsch verstandene Evolutionstheorie schon vor langer Zeit zur Möblierung des atheistischen Wohnzimmers verwendet hat. Es gibt einen atheistischen Konservatismus, der seine Vorurteile pflegt und kaum auf Argumente reagiert.

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