Meinung : Immer länger

„Lehrern droht Disziplinarverfahren“

vom 6. April

Im März 2009 erschien der Leserbrief „Dauerkranke Lehrer“, an den ich auszugsweise erinnere: Wowereit wollte seinerzeit Berlin zu Lasten der Lehrer retten. Die konnten die jetzige Entwicklung voraussagen. Drei zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche verlangen entsprechende Vor- und Nachbereitungszeit. Wenn dann eine Lehrkraft erkrankt, müssen auch die drei Stunden mehr des kranken Kollegen abgedeckt werden. Von wem? Na, von denen, die noch nicht krank sind.

Gegenwärtig taucht dasselbe Problem unter anderem Thema auf: In Frankreich zum Beispiel dürfen auch Lehrer streiken. Die Gehaltskürzungen nehmen sie in Kauf. In Berlin zieht der Senator sich auf eine formaljuristische Position zurück und droht. Seinerzeit hat Wowereit die Arbeitszeit für Lehrer um drei Unterrichtsstunden verlängern lassen. Und nicht nur das. Den Älteren wurden eine bzw. zwei Ermäßigungsstunden genommen, auf die sie seit ihrer Einstellung ein vertragliches Anrecht hatten. Widerstand zwecklos. Für über 60-Jährige bedeutete das faktisch, fünf Stunden pro Woche zusätzlich vor der Klasse stehen zu müssen. Von der häuslichen Vor- und Nachbereitung ganz zu schweigen. Angesichts der vorherrschenden Meinung, die Lehrer landläufig als „faule Säue“ brandmarkt, ist es wieder einmal erschreckend, wie Ahnungslosigkeit – auch bei verantwortlichen Politikern – Vorurteile hegt und pflegt.

Ulrich Scheiwe, Berlin-Steglitz

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