Imran Khan : „Musharraf ist ein Diktator“

Der Oppositionspolitikerwegen und frühere Kricket-Star soll angeblich wegen Anstachelung zum Terror angeklagt werden.

Ruth Ciesinger

Gleich zu Beginn des Ausnahmezustands vor zwei Wochen wurde Imran Khan unter Hausarrest gestellt. Doch der pakistanische Oppositionspolitiker entwischte keck noch am selben Tag seinen Aufpassern, tauchte kurzfristig unter und dann am Mittwoch in Lahore wieder auf. Er wollte eine Protestkundgebung von Studenten der Lahore- Universität gegen Präsident Pervez Musharraf anführen, doch die Polizei kam Khan zuvor und verhaftete den früheren Kricketstar. Er soll, so berichten pakistanische Medien, wegen Anstachelung zum Terror angeklagt werden.

Der mit Mitte 50 immer noch außerordentlich attraktive frühere Playboy ist nicht nur eine schillernde Figur der Politikszene in dem islamischen Land – er ist auch ein Beispiel dafür, wie das Image mancher Akteure im Westen und in Pakistan differieren. Zweifellos ist der frühere Kricketspieler Khan als Sportler in Pakistan so legendär wie Diego Maradona in Argentinien. Doch auf seine politische Karriere wirkt sich der Ruhm vergangener Tage eher mäßig aus; seine Partei Bewegung und Gerechtigkeit gewann bei der Parlamentswahl 2002 gerade mal knapp ein Prozent der Stimmen. Auch gibt sich Khan, der in Oxford studiert hat und für einige Jahre auch mit der sehr viel jüngeren Londoner Milliardärstochter Jemima Goldsmith verheiratet war, nicht als der liberale Freund des Westens, wie es sein Vorleben erwarten ließe.

Nachdem Khan Anfang der 90er mit seinem Rückzug aus dem Kricket die Nation in eine kollektive Depression gestürzt hatte, gründete er 1997 seine eigene Partei, zwei Jahre später begrüßte er dann – wie viele Pakistaner – den Putsch General Musharrafs gegen den damaligen Premier Nawaz Sharif. Später wurde er zu einem heftigen Kritiker Musharrafs – unter anderem wegen dessen Nähe zu den USA. Als George W. Bush 2006 Pakistan besuchte, organisierte Khan eine Demonstration gegen den Präsidenten und wurde prompt verhaftet; im Jahr zuvor hatte er über Pakistan hinaus heftige Proteste gegen die USA mit mehreren Toten mitausgelöst. Damals ging es um einen Bericht des Magazins „Newsweek“ über die Schändung des Koran im US-Lager Guantanamo.

Khan, der Kämpfer für Gerechtigkeit und unabhängige Justiz, wich immer öfter auf den Pfad des islamistischen Populisten aus. Ob aus Überzeugung oder aus Kalkül bleibt dahin gestellt. Nur dass er ein echter Gegner von Pervez Musharraf ist, daran besteht kein Zweifel. Ruth Ciesinger

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