Meinung : In den Köpfen der Freier

Berichterstattung über Prostitution

Die Initiative von Alice Schwarzer ist entschieden zu begrüßen, mögen sich jetzt auch im Tagesspiegel „selbstbestimmte, glückliche Sexarbeiterinnen“ noch so lautstark zu Wort melden. Klar, dass der Kampf gegen Prostitution und Menschenhandel – neben Waffen- und Drogenhandel weltweit das profitabelste Geschäft – nicht ohne heftigen Gegenwind ablaufen kann. Die Branche ist gut organisiert, und die Freier treten zunehmend selbstbewusst auf, dank dem Prostitutionsgesetz von 2002, in dessen Folge aus Prostituierten „Sexarbeiterinnen“ wurden, ihr Job als „normaler Beruf“ bezeichnet, das Großbordell zur „Wellnessoase“ wurde. Da muss doch kein Freier ein schlechtes Gewissen haben, oder? Zumal ja die Prostituierten, wie „Sexarbeiterin Nadine S.“, voll des Lobes sind über ihre „anständigen Kunden“, die sie „als Liebesexpertin schätzen und respektvoll behandeln“. Lächerlich. Im Internet tauschen sie sich aus, die Freier, in einschlägigen Foren Marke „Lusthaus“ oder „Hurentest“, und legen dort auf den Tisch, wie sie wirklich über Frauen denken, die sich für sexuelle Dienstleistungen bezahlen lassen. Freiwillig oder gezwungen. Hintergründe können oder wollen die meisten Kunden ohnehin nicht sehen. Wer zahlt, hat das Sagen. Wir sollten uns nicht damit abfinden, dass Deutschland durch die Liberalisierung der Prostitution für ausländische Besucher zum Sexparadies geworden ist. Wir sollten uns an Großbordelle mit Flatrates wie das Artemis in Berlin – derselbe Betreiber plant bereits ein weiteres am neuen Flughafen BER – nicht gewöhnen. In den Köpfen der Menschen muss sich etwas ändern, zuallererst in den Köpfen der Freier, notfalls per Gesetz und notfalls auch durch Bestrafung des Frauenkaufs.

Kerstin Lange, Berlin-Lichterfelde

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