Meinung : In der Kultur von Cordoba

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Von Carmen Vela Sastre

WO IST GOTT?

Mittlerweile gibt es kaum noch Zweifel daran, dass islamistische Terroristen am 11. März in Madrid die Bomben in die Züge legten, denen bislang 202 Menschen zum Opfer gefallen sind. Viele der Toten waren Muslime, fast ein Drittel der Opfer Migranten. Wo war Gott, als die Sprengsätze in den Bahnhöfen von Atocha, Santa Eugenia und El Pozo explodierten?

Für die spanischen Katholiken ist der 11. März der Tag des Heiligen Eulogius, der vor 1145 Jahren in Cordoba enthauptet wurde. Die damaligen arabischen Herrscher tolerierten zwar Christen und Juden. Doch manche Christen verhöhnten öffentlich Mohammed. Sie wollten getötet werden, um als Märtyrer sofort in den Himmel zu kommen. Eulogius hatte sie verteidigt, weswegen der Emir seine Wahl zum Bischof von Toledo nicht bestätigte. Der Konflikt mit dem Emir verschärfte sich, als Eulogius ein zum Christentum konvertiertes muslimisches Mädchen bei sich aufnahm.

Ende des Emirats

In der Reconquista machten die fundamentalistischen christlichen Krieger der im Wesentlichen toleranten Hochkultur des Emirats ein Ende. Die Vertreibung des Islam aus Spanien dauerte sieben Jahrhunderte. Seine Spuren wurden aber nicht getilgt. Christen und Muslime haben sich in dieser langen Zeit so sehr vermischt und gegenseitig beeinflusst, dass jeder – wie der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom sagt – in der Haut des anderen steckte. Sie litten aneinander, aber sie nahmen auch den Glauben des anderen an, heirateten, gründeten Übersetzerschulen, bauten gemeinsam Paläste, machten unfruchtbare Ländereien urbar, schlossen Freundschaften. All das über eine so lange Zeit hinweg, dass Spanien mit keinem anderen europäischen Land verglichen werden kann. Einige der schönsten Ausdrücke im Spanischen stammen aus dem Arabischen.

¡Ojalá!

Nicht alle im Norden Europas wissen um diese Geschichte, und auch nicht alle Muslime, die heute vor allem aus Marokko auf der Suche nach einem besseren Leben nach Spanien einwandern. Die Bombenleger, die so viele Menschen wie möglich töten wollten, verachten dieses Erbe. Ihr Morden, ihre Todessehnsucht stoßen uns ab. Der tolerante Islam verträgt sich nicht mit ihrem Todeskult, die Hochkultur von Cordoba und Granada gilt ihnen als Anfang der Niederlage gegen das Christentum, sie ist das Gegenmodell der Gesellschaft, die sie anstreben.

Hoffentlich ist es möglich, dieses Erbe in eine Hoffnung für die zu verwandeln, die zu Tausenden die Straße von Gibraltar überqueren, und für die Millionen von Europäern, die durch die Migrantenströme der Muslime völlig verunsichert sind. ¡Ojalá!, wie die Spanier mit einem arabischen Lehenswort sagen: So Gott will.

Die Autorin ist Deutschland-Korrespondentin für „Cadena Ser“, den größten privaten Radiosender Spaniens.

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