Meinung : In der Pflicht sind – die anderen

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Mindestens einmal im Jahr erwischt der Fiskus jeden. Belege sortieren, Zettelkästen ausmisten, Versicherungspolicen kopieren und armdicke Verordnungswerke wälzen. Wer ist noch nicht verzweifelt an seiner Steuererklärung? Deutschland hat das wohl komplizierteste Steuerrecht der Welt. Wie wäre es doch schön, wenn all die Qual bald ein Ende hätte. Die FDP weissagt einen solch himmlischen Zustand. Niedrigere und einfache Steuersätze von 15, 25 und 35 Prozent und die alljährliche Erklärung auf einem Blatt Papier. Wie das finanziert werden soll? Ganz einfach: Schichtzuschläge werden versteuert, Arbeitszimmer zu Hause werden zum Privatvergnügen, Subventionen und Zuschüsse gestrichen, Verwaltungsbeamte entlassen. Kurzum, die FDP will nach der Wahl entschlacken, einsparen, vereinfachen und hofft dann auf noch mehr Bürger, die mit noch mehr Freude noch mehr Steuern zahlen. Im Prinzip klingt das gut und richtig. Doch wie und vor allem mit welchem Koalitionspartner wollen die Liberalen die dafür nötigen grundlegenden Reformen der Sozialsysteme binnen Jahresfrist durchsetzen? Und wer garantiert uns Wählern, dass das wunderbar klingende zwei Seiten lange Steuerkonzept der FDP auch seriös umzusetzen ist? „Wir nicht“, meinen die Liberalen. Finanzminister soll ein anderer werden. asi

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