Meinung : In heikler Mission

Am 10. Juli beginnt der EU-Einsatz im Kongo. Er ist gefährlich – für viele

Stephan-Andreas Casdorff

Nun ist es so weit, einen Rückzug gibt es nicht. Jedenfalls keinen generellen von diesem Projekt: Am 10. Juli beginnt die deutsche Kongo-Mission. Und vom Erfolg hängt eine Menge ab, um es vorsichtig auszudrücken: das Renommee des neuen Verteidigungsministers, die Reputation der Bundesregierung insgesamt unter Führung der Kanzlerin, die diesen Einsatz wollte, die weitere Karriere des „Commander Kongo“, des deutschen Generals Karlheinz Viereck. Und, nicht zuletzt, geht es um die deutschen Soldaten, die unversehrt zurückkehren sollen.

Ist alles getan, alles bedacht? Wer deutsche Generalstabsoffiziere kennt, wird daran kaum zweifeln. Wäre da nur nicht das Unvorhersehbare, das, was im Grunde bei dieser Auslandsmission alle erwarten. Das wäre ja auch das erste Mal, wenn alles so liefe, wie es geplant worden ist. Es ist doch schon nicht so gekommen, wie es angekündigt wurde: Nicht 500 Soldaten, sondern 780 sind es, nicht vier Monate, sondern insgesamt sieben, nicht nur in Kinshasa werden sie eingesetzt, sondern im „Raum Kinshasa“, und müssen außerhalb des Großraums Ausländer gerettet werden, wird die Grenze noch ganz woanders gezogen werden müssen. Auch bei der Zahl der Männer.

Das kann man beklagen, darüber kann man sich ärgern. Und man muss es auch. Erstens, weil die Bundesregierung nicht so tun soll, als hätte sie von vornherein alles im Griff gehabt; zweitens, weil die Franzosen sie im Griff hatten; drittens, weil Javier Solana, der Hohe Repräsentant der europäischen Außenpolitik, die anderen Staaten, die sich – mehr – beteiligen sollten, nicht in den Griff bekam. Oder nehmen wollte?

Es ärgert sich außerdem Franz Josef Jung, der Verteidigungsminister. Er muss es auch. Einmal über seine Kollegen in der Bundesregierung, die ihn so bedrängt haben, zum Zweiten über Solana und damit direkt einhergehend drittens über sich selbst, weil man ihren Streit im Verlauf der Planungen gemerkt hat. Sie sollen sich sogar angeschrien haben. Einerlei, als Solana ins Kommando nach Potsdam kam, offiziell, war Jung weit weg. Zwischen ihnen beiden wird es jetzt sehr schwierig werden. Wann je ist von einem solchen Zerwürfnis berichtet worden?

Solana bleibt aber ein wichtiger Mann. Und er will weiter erster Außenminister der EU werden. Jung dagegen ist ein Neuling auf dem Feld der großen internationalen Politik, noch dazu wird ihm im nationalen Bereich ständig hinterhergeraunt, das Amt sei eine Nummer zu groß für ihn. Wäre er hierzulande unumstritten, ginge das noch hin. So aber kann es eng für Jung werden. Da darf ihm kein Fehler mehr passieren.

Hinzu kommt, dass die Kanzlerin für Europa und seinen Fortschritt einiges tun würde. Was die Kongo-Mission betrifft, die Frankreich geschuldet ist, muss sie nun mit darauf achten, dass dem Sentiment nicht Ressentiments folgen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben