Meinung : In letzter Minute

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Was Serbiens Politiker ursprünglich vorhatten, glich einem politischen Suizid. An der Koalition einer neuen Regierung sollte maßgeblich die Partei der radikalen serbischen Nationalisten beteiligt werden. Deren Anführer, Vojislav Seselj, sitzt in Den Haag in Haft, angeklagt wegen Kriegsverbrechen. Seinen Stellvertreter wählte man in Belgrad unlängst zum Parlamentspräsidenten, er sollte auch eine führende Rolle in der Koalition erhalten. Erst als Brüssel aufschrie, besann man sich eines Besseren. Nun ist Belgrad dicht am diplomatischen Desaster vorbeigeschrammt. In letzter Minute beschlossen die zumindest rhetorisch prowestlichen Parteien unter Boris Tadic und Vojislav Kostunica ein Regierungsbündnis. Mithin hat Serbiens politische Kaste, in Teilen noch eng verwoben mit dem Milosevic-Apparat, mit Mafiabossen, mit einer mörderischen Armee, noch einmal den politischen Suizid vereitelt. Ob Europa aufatmen kann, bleibt eine offene Frage. cf

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