Meinung : In Sprachgewittern

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Dies ist die Zeit kleiner symbolischer Nadelstiche. Wehe dir, Amerika! Doch nicht jeder kann, wie er will, wenn er denn überhaupt will. Beispielsweise wäre es sinnlos, die USAuflage dieser Zeitung zurückzuhalten, weil es die ja praktisch nicht gibt. Und Kardinal Sterzinsky kann ein Lied davon singen, dass gut gemeint nicht automatisch ... Aber hier! Wer immer die „Arbeitsgemeinschaft Sprache in der Politik“ auch sei – ihr Vorschlag ist teuflisch. Sie will nicht nur die Anglizismen abschaffen, was ja auch vor dem Krieg immerhin diskutabel schien, sondern schlägt den solidarischen Austausch gegen Französismen vor: statt Playboy Bonvivant, statt Model Mannequin. Ein interessanter Dreh! Was vor dem Krieg als unkorrekter Ausweis mangelnder Multikulti-Aufgeschlossenheit galt, trägt nun plötzlich die höheren Weihen der Anti-Kriegs-Gesinnung. Aber ob wir den Dreh noch rechtzeitig bekommen? Den Walkman zum „Baladeur“ umbenennen? Blitzschnell reagieren, wenn einer „Shit!“ flucht und ihn spitz darauf hinweisen, das heiße jetzt „Merde alors“? Hoffentlich hält wenigstens Chirac seinen Kurs. Sonst müssen wir am Ende auch noch Russisch lernen.

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