Meinung : In unserem Namen

Wer als Soldat für Deutschland sein Leben lässt, hat ein würdiges Gedenken verdient

Malte Lehming

Die Deutschen sind nüchtern geworden. Sie schwenken keine Fahnen mehr, jede Form von Nationalpathos ist ihnen zuwider. Das ist ein Resultat ihrer Geschichte. Zwei Diktaturen haben sie mitgetragen und mitgelitten. Der Bedarf an Uniformen und Fanfarenstößen ist gedeckt.

Es überrascht daher nicht, dass der jüngste Vorschlag des Verteidigungsministers zurückhaltend aufgenommen wurde. Franz Josef Jung will in Berlin ein Ehrenmal errichten. Dort soll jener Bundeswehrsoldaten gedacht werden, die während eines Auslandseinsatzes getötet wurden. Ursprünglich kam die Idee aus Kreisen der Bundeswehr selbst. Insgesamt 39 Soldaten sind bislang im Ausland durch Fremdeinwirkung ums Leben gekommen, die meisten davon auf dem Balkan und in Afghanistan.

Viele Einwände gegen ein solches Ehrenmal sind nachvollziehbar. Wessen genau soll gedacht werden – aller getöteter Soldaten oder allein derer, die im Ausland und durch Fremdeinwirkung gestorben sind? Die Einschränkung wirkt willkürlich. Und was ist mit zivilen Helfern und Polizisten? Sind die im geringeren Maße zum Einsatz ihres Lebens bereit? Außerdem: Führt ein solches Ehrenmal nicht automatisch zu einer Heroisierung des Soldatentums?

All das muss bedacht werden, ebenso wie Ort, Größe und Gestaltung – bloß kein Pomp! – des Ehrenmals. Die Debatte allerdings ist zu begrüßen. Jede Nation hat eine besondere Verantwortung gegenüber jenen, die sie ausschickt, um in ihrem Namen für so hohe Werte wie Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Wird Deutschlands Sicherheit am Hindukusch oder am Horn von Afrika verteidigt? Darüber lässt sich lange streiten. Unstrittig indes sollte sein, dass die Soldaten vor Ort ein Opfer bringen, das weder ihr Sold ausgleicht noch der lapidare Hinweis auf spezifische Berufsrisiken.

Mit der Waffe in der Hand für eine Sache kämpfen, die von der Regierung als relevant eingestuft wurde: Das setzt Pflichtgefühl voraus und Vertrauen in die Urteilskraft der Verantwortlichen. Ein Ehrenmal könnte helfen, dies bewusst zu machen. Denn es ehrt ja nicht nur die Gefallenen, sondern stellt auch die Entsender in ein grelleres Licht. War dieses Menschenleben die Sache wert? Kann den Angehörigen vermittelt werden, warum ihre Trauer vom Gefühl begleitet sein darf, der Getötete habe den Interessen der Nation gedient?

Solche Fragen werden derzeit in Deutschland anonym und abstrakt besprochen. Das Existenzielle, das mit Militäreinsätzen verbunden ist – hier die Sicherheit des Landes, dort das Lebensrisiko der Soldaten – wird allenfalls von der Truppe verstanden. Doch wer im Namen seines Landes und hoher Werte sein Leben zu geben bereit ist, hat im Todesfall mehr verdient als ein Begräbnis im Kreise der Hinterbliebenen. So viel Dankbarkeit und Gedenken, wie mit einem schlichten Ehrenmal verbunden wären, sollten schon sein, trotz Nüchternheit.

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